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Neidfaktor

Schrott-Immobilie
Schrott-Immobilie

Was würden Sie machen, wenn Ihnen 1.243 Immobilien gehören? Sagen wir mitten in Rom. Da liegt die Miete so bei 30 Euros auf den Quadratmeter. Rechnen wir mal der Einfachheit halber mit 100 qm pro Immobilie. Macht monatlich 1.243.000 qm mal 30 = 37.290.000 Euros im Monat oder 447 Mio. Euros im Jahr – jedes Jahr. Wie? – das reicht Ihnen noch nicht. Kein Problem: Dann rechnen Sie mal ohne Steuern. Das sollte Ihr Steuerberater allemal hinbekommen. Mit einigen hin- und her gestreuten Immobilien-Anlagegesellschaften und diversen Tochter- und Querbeteiligungen. Na ja – ist ja nur so ein Gedankenspiel. Wahrscheinlich wird Ihnen bei der Vorstellung an die Immobilienverwaltung schon ganz schlecht. Alleine schon, dass Sie die dazugehörenden Gehsteige selbst sauber halten müssen. Dazu brauchen Sie schon alleine eine ganze Gartenlaube voller Besen. Aber wir können Sie beruhigen: Das gibt es tatsächlich in echt. Der Name der stolzen Immobilienbesitzerin ist Angiolina Armellini und stammt aus – woher sonst – Italien. Wahr oder unwahr?

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Neighbourhood 8.1

Postillon23Dass die NSA Glasfaserkabel dupliziert ist ja jetzt wirklich nicht mehr neu. Etwas überrascht hat uns allerdings die Geschwindigkeit, mit der die NSA-Vertriebsabteilung für zusätzliche Daten-Beschaffung sorgt. Nicht nur das auch internet-freie Computer mit einbezogen sind. War ja irgendwie nahe liegend. Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass sich Ihre Nachbarn anders verhalten? Das liegt an dem neuen sog. Nachbarschafts-Ausspäh-Programm Neighbourhood und zwar in der Version 8.1. Während die Vorgänger-Versionen noch ohne Prämien-System arbeitete, gibt es jetzt Bares. Und zwar 5 $ pro schriftlichem Eintrag, 10 $ pro Bild, 15 $ für ein MP3-Dokument und 20 $ pro Clip. Sind mehrere Personen drauf, gibt es was extra. Besonders beliebt: Als Live-Interviews getarnte Verhöre zu tagespolitischen Fragen (50 $). Im Prinzip handelt es sich um eine ein wenig aufgemotzte Version von Youtube, die Du nur benutzen kannst, wenn Du zugleich ein Google-Konto inkl. Paypal-Andocking einrichtest. Dazu musst Du die Personalausweis-Nummer und Deine Sozialversicherungsnummer eintippen und schon kann´s losgehen. Also aufgepasst, wenn der Nachbar im Vorübergehen sein Smartphone zieht und losknipst wie ein Irrer. Na – immerhin noch besser, als wenn er gleich losballert.

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Unwortdesjahres

PostnetzNatürlich dachten wir bei GroKo als erstes und nur an Großkreutz. Toller Dortmunder Junge, der jüngst wieder einmal ganz Westfalen in einen kollektiven Rausch versetze. Als er in der fast vorletzten Minute den Ball ins marseillaiser Gehäuse schnepfelte – das ist eine Mischung aus lupfen, schneiden, kullern und dröpfeln lassen. Genau genommen hat er am Ball vorbei getreten und nur dank seines überdicken Innenrisses überhaupt in Richtung Tor gelenkt. Oder an Großkotz. Muss ja heutzutage auch fast ständig gebraucht werden und klingt etwas unverbindlicher, wenn man es flüssig in der Alltagskommunikation einsetzen will. Etwa „Ach, Du meinst GroKo Schneider von Schneider & Söhne“. Was viele gar nicht wissen: Unser Kevin musste sogar schon einmal als Torwart ran. Und zwar als Weidenfeller vom Platz flog und irgendeiner ins Tor musste. Das war in der 81. Minute gegen Hoffenheim. Groko kennen wir auch als ein Verfahren zum Knickbiegen von Blechen und gewalzten Metallen. Bei diesem Verfahren wird entweder der Ober- oder der Untergurt längsverformter Profiltafeln rechtwinklig zur Profilrichtung so gefaltet, dass sich die Profiltafeln in einem vorher festgelegten Radius wölben. Oder vielleicht noch Grokos-Tee. Es blühen die Grokosse. So. Mehr fällt uns zu GroKo nicht ein. Ihnen?.

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Hoeneß

Kneipe15. Juni 2015. Der Vollzugsbeamte schließt die Tür hinter uns, überholt uns den Gang entlang und öffnet die nächste Stahltür. „Der Wecker war auch schon hier“. Stadelheim hat Tradition. Kollege Wildmoser vom Lokalrivalen 60 saß hier wegen Steuerhinterziehung. Die Tschäpe wegen Beihilfe. Ihr Chef wegen Landfriedensbruch. Alles schon eine Weile her. Als Wurstverkäufer gehört Uli zu den privilegierten Insassen. Er residiert in der legendären Zelle 70 und wir haben die Ehre, eine Einladung zur ersten Inhouse-Pressekonferenz erhalten zu haben. Schließlich sind wir ihm als steuerkritischer Informationsdienst schon aufgefallen lange bevor die erste Steuer-CD in Umlauf gebracht wurde. Es gibt Semmeln mit Hack, frische Radies und Bauernwürste, die die Mit-Häftlinge in der Metzgerwerkstatt im Nebentrakt unter seiner Aufsicht frisch gekesselt und verwurstet haben. Uli trägt das blaue Hemd leicht geöffnet und wenn wir nicht wüssten, dass man im Knast kein Gold tragen darf, hätten wir schwören können, es ist ein Goldkettchen, das da über dem Brusthaar glänzt. Er berichtet vom täglichen Kicken im Hof. Wie er den Kollegen immer wieder und immer wieder vormachen muss, wie er die Pille beim Elfmeterschießen gegen die Tschechen in den tiefblauen Nachthimmel von Belgrad jagte. Noch Jahre später im serbischen Bürgerkrieg konnte man zwischen dem Funkeln und Zischen des Granatfeuers den Schweif des verirrten Balles erkennen, während die Jungs unten auf dem Gefängnis-Sportplatz sich Abend für Abend einen Spaß draus machen, die Bälle über die Mauer bis zum Krematorium des Perlacher Friedhofs zu dreschen. Das war´s dann. Noch sind es 82 Tage bis zum ersten Freigang.  „Jetz isses halt so. Bis dahin muss ich kleinere Würstchen backen“.

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NSA

KneipeAls ausgebuffte Satire-Redaktion haben wir auch bei diesem Thema darauf gesetzt, dass sich Alles in Wohlgefallen auflöst und am Schluss die Glöckchen klingeln, die Sektkorken knallen und sich alle Tränen überströmt aber glückselig in den Armen liegen. Aber Schweigen ist nicht immer Gold. Deswegen: Hier nun unsere Thesen zum Thema. 1. Sie glauben doch wohl nicht wirklich, dass der Islamist seine Kommunikation im Einwohnermeldeamt hinterlegt. 2. Das andauernde Knacken bei schlechten Mobilfunk-Verbindungen ist nur im seltenen Fall auf eine nachrichtendienstliche Überwachung zurückzuführen. 3. Es stimmt nicht, dass die meisten Angestellten der NSA nur über eine bescheidene Grundschul-Ausbildung verfügen. 4. Snowden und Ströbele kennen sich seit der gemischt deutsch/amerikanischen KITA-Einweihung in Berlin-Wilmersdorf. 5. Die NSA stuft Deutschland als Partner dritter Klasse ein. 6. Noch im Frühjahr soll der NSA-Computer geflutet werden. Schade um die vielen schönen Zeugnisse der Zeitgeschichte, die unwiederbringlich für die nachfolgenden Generationen verloren sind.

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Gemeinsam Erfolgreich

Wir haben lange darüber diskutiert in der Redaktion: „Wie sieht die neue Bundesregierung wohl aus?“. Und das wollen wir Ihnen natürlich nicht vorenthalten. So viel können wir Ihnen jetzt schon verraten: Es wird ganz anders ausgehen als Sie sich das vorstellen. Das Gezeter um die Koalitionsverhandlungen in der jetzigen Form wird sich noch bis tief in den Dezember hinziehen. Viele Bürger werden gar nicht mehr wissen, um was es eigentlich geht. Auch die Medien wenden sich bei rapide sinkender Auflage und erschütternder Reichweite mit Grauen vom Thema ab. Weihnachten erscheint wie eine Erlösung für alle. An Heiligabend sind die Kirchen endlich mal wieder proppevoll. Das Wahlergebnis gerät in Vergessenheit und erscheint im diffusen Rücklicht wie eine Soap ohne Leidenschaft und Spannung. Dann dieser Bandscheibenvorfall unter merkwürdigsten Umständen. Sie – die Kanzlerin – kann sich kaum noch bewegen und zieht sich in die Uckermark zurück. Erst für Tage. Sie bleibt wochenlang verschwunden. Man unkt, Verfassungsschutz, BND, MAD und NSA sind in die Sache verwickelt. Hannelore Kraft wird erneut beim Frisör ausgemacht. Es gibt Handy-Mitschnitte auf Youtube. Sie trägt Rundmob und einfarbige Kostüme. Am 25. Mai ist Neuwahl, zusammen mit der Europa- und zahlreichen Kommunal- und Kreistagswahlen. Auf was wir herauswollen: Der Wähler wird den Übergang von Merkel auf Kraft gar nicht mitbekommen. Gemeinsam erfolgreich.

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Wahl-O-Mat

Um es mal auf den kürzesten Nenner zu bringen: „Hast Du eh schon keine Ahnung, was Du wählen sollst. Und jetzt das noch“. Laut Bundeszentrale für politische Bildung bekommen 90 % der Nutzer des Wahl-O-maten das Ergebnis heraus, dass sie haben wollen. Wir gehören allerdings zu den 10 %, bei denen das nicht zutrifft. Mehr noch: Mit einer Übereinstimmung von 69 % – und damit weit vor allen anderen Parteien – deckt sich unsere politische Intension mit dem Programm der „Partei der Nicht-Wähler“. Was tun? Zuerst haben wir unsere Antworten nochmals nachgeprüft. Nichts zu rütteln gibt es daran, dass wir den EURO behalten wollen. Zugegeben: Bei 8 von 38 Fragen haben wir wahrheitsgemäß geantwortet: „neutral“ – aber durchaus aus Überzeugung. Spaß halber haben wir dann mal alle 38 Fragen mit „neutral“ beantwortet. Ergebnis: „Leider kann der Wahl-O-Mat auf der Grundlage Ihres Antwortmusters kein individuelles und zuverlässiges Ergebnis berechnen“. Das hat uns stimuliert. Wenn man alle 38 Fragen mit „stimme zu“ bzw. „stimme nicht zu“ beantwortet, gibt es ebenfalls keine Wahlempfehlung. Antwortet man abwechselnd mit „stimme zu“ und „stimme nicht zu“ deckt sich das zu 53,9 % mit dem Programm der CDU/CSU und zu 53,9 % mit dem der „Alternative für Deutschland“. Es bleibt schwierig.

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Daten-Paranoia

Haben Sie schon mal ausprobiert, was passiert, wenn Sie in der Suchfunktion Ihres Computers „PRISM“ eingeben? Wir raten ab. Unser Chefredakteur jedenfalls ist seither nicht mehr der alte. Zuerst ist sein Umgangston etwas strenger geworden. Da kamen dann solche Sätze heraus wie: „Der Feind sitzt direkt neben Dir“ (?). Wir haben uns nur angeschaut und gedacht: „Aha. Was will er uns damit sagen“. Dann hat er Frau und Kinder verlassen. In der letzten Redaktionsrunde hat er nur noch schlecht gelaunt in die Runde gestarrt und Notizen gemacht. Dann ist der erste Kollege verschwunden. Keiner hat was gesagt. Dann kam er bewaffnet. Mit so einer Deutz & Geldermann (oder so ähnlich), Kaliber 3mm. Mit dem Mittelfinger hat er ständig am Abzug rumgefingert. In der Pause hat er wahllos aus dem Fenster geballert. Auf Alles, was sich bewegt hat. Vermummte Frauen und Gastarbeiter. Danach sagte er in die Runde: „Ihr habt ja alle keine Ahnung, was los ist“. Schweigen. Dann hat er den Kollegen Breitmann gezwungen, sich vor den Computer zu setzen. „Gib mal PRISM in die Suchzeile ein!“. Aber Dalli, Dalli. Kollege Breitmann versteinerte. Mit seltsam angezogenen Beinwinkeln, verkrampften Händen und einem ganz, ganz fiesem Ausdruck im Gesicht sitzt er seit Tagen im Sitzungsraum regungslos vor dem PC. Unser Chefredakteur ist verschwunden und koordiniert seitdem irgendetwas. Wir wissen Nichts Genaueres. Haben aber wirklich kein gutes Gefühl dabei. Also: Wenn Sie das BISSchen Geschreibsel schon aus der Ruhe bringt, sollten Sie in Sachen PRISM keine eigene Recherchen anstellen.

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Big Brother (Small Sister)

Ist Ihnen das auch schon mal passiert? Ich sitze in der Redaktion vor dem Notebook und tippe irgendwelche Texte ein. Kochrezepte. Veranstaltungshinweise. Oder Vermisstenanzeigen und Vernissagen-Reportagen. Ab und zu ein politischer Kommentar oder was zum EURO. Und just dabei ist es mir das erste Mal aufgefallen. Ich war mir ziemlich sicher, dass ich „Rezession“ eingetippt hatte. Auf dem Monitor stand aber „Rezension“. Ich probierte das ein paar Mal. Gleiches Ergebnis. Unterdessen wissen wir ja mehr: Dem britischen Geheimdienst ist es augenscheinlich gelungen, die Auto-Complete-Funktion von Google zu einer echten Auto-Substitute-Funktion zu machen. Da werden nicht erst groß Textvorschläge gemacht. Der Text wird einfach komplett ersetzt. Das wird unterdessen wahrscheinlich weltweit speziell für Journalisten, Schreiberlinge und andere notorische Nörgler eingesetzt.

Ich möchte Ihnen das mal anhand eines Muster-Satzes exemplarisch vorführen. Aus dem Satz „Es ist nur die halbe Wahrheit, dass der Verfassungsschutz V-Leute in die rechte Szene einschleuste. Der andere Teil der Wahrheit ist, dass die Verbindungsleute der rechten Szene im Verfassungsschutz dafür sorgen und sorgten, dass immer mehr Kameraden mit rechter Gesinnung beim Verfassungsschutz angestellt und auch befördert wurden und in immer höhere bis hin zu leitenden Positionen kamen und diese besetzten und bis heute besetzen“. So der ursprüngliche Analyse-Text meiner 300-tägigen Recherche zum NSU. Die Auto-Substitute-Funktion macht daraus ohne groß Rumzuzicken: „Die nackte Wahrheit ist nur das halbe Leben im Strom. Die Verbindungsstecker sorgen und sorgten dafür, dass die Katoden nicht mit minus abschließen und dass die Leiterplatten des Borgward ordnungsgemäß verkabelt wurden und werden. Frage Sie Ihren Elektro-Installateur oder die Bundesagentur für Arbeit“. So, dass der ganz Text doch in einer eher heiteren und versöhnlichen, fast mit lyrischer Note erstrahlt. Toll, was so Alles geht.

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Bio-Bürokratie

KneipeNur so zum Spaß haben wir unserem Steuerberater mal eine etwas kniffelige Frage vorgelegt: „3 Gastronomen haben sich einen Tag lang zusammengesetzt, um mal zu überlegen, wie man im Ort nachhaltige Gastronomie nach vorne bringen kann – sprich, um gemeinsame Vermarktungsstrategien für Bio-Produkte zu entwickeln. In der Mittagspause langte es – weil Gastronomen latent wenig Zeit und Geld haben – gerade einmal für eine Currywurst bei Fred um die Ecke (6,30 EUR + 9,46 EUR für Getränke + 1,50 für einen Expresso). Der weigert sich, einen Bewirtungsbeleg auszustellen. Frage: Kann der einladende Wirt die Ausgaben (7 % MWSt) auch ohne Beleg als Kosten der Bewirtung für Geschäftsfreunde absetzen?“ So weit der relativ einfache Vorgang.

Der Steuerberater wollte die Anfrage „bombensicher“ beantworten und schickte besagtes Anliegen per sog. Verbindlicher Anfrage an das Finanzamt (Kosten 50 EUR + 0,58 EUR Porto). Dort wurde man gleich stutzig und stellte einen Sachbearbeiter ab, um den Vorgang im Case-Management abzuarbeiten. Zunächst leitete er den Vorgang an alle beteiligten Behörden weiter. Zum einen an die Landeskartell-Behörden, da hier dem Verdacht „einer gemeinsam verabredeten Vertriebs- und Preisstrategie“ nachgegangen werden muss. Eine weitere Meldung erging an die Landesbehörden für Verbraucherschutz wegen einer Präventiv-Prüfung, ob die beteiligten Betriebe überhaupt berechtigt sind, Bio-Produkte „in Verkehr zu bringen“ (Verstoß gegen Artikel 28 Abs.1 der EG-Verordnung Nr. 834/2007 in Verbindung § 6 Abs. 2 des Gesetzes zur Durchführung der Rechtsakte der Europäischen Gemeinschaft oder der Europäischen Union auf dem Gebiet des ökologischen Landbaus in Verbindung mit § 13 des gleichen Gesetzes, Bußgeldandrohung bis 20.000 EUR). Denn ohne Zertifizierung (Minimum 600 EUR) dürfen keine Bio-Lebensmittel in den Verkehr gebracht und natürlich nicht angepriesen werden. Selbst die Vorlage einer Rechnung direkt vom zertifizierten Bio-Verkäufer, die zum Vorsteuerabzug berechtigt, hilft hier nicht weiter. Schließlich ist zu prüfen, ob der Würstchenverkäufer berechtigt war, seine Ware mit 7 % Mehrwertsteuer für den Verkauf von Lebensmitteln zu vergünstigen (eventuell Verzehr vor Ort). Außerdem ist zu prüfen, ob der Ansatz von Bewirtungskosten ohne Beleg den Tatbestand der vorsätzlichen Steuerhinterziehung erfüllt. So weit der Ausgangspunkt.

Also ganz so einfach wie zunächst angenommen ist der Sachverhalt wohl doch nicht zu lösen. Dem Sachbearbeiter im Landeskartellamt war der Fall relativ schnell klar. Jetzt ging er drum, eine Kopie der Verbindlichen Anfrage an das Finanzamt zur Beweissicherung zu kopieren, die Anschriften der 3 beteiligten Gastwirte zu ermitteln und zu prüfen, ob einer der Beteiligten als Kronzeuge taugt. Dann geht es nur noch darum, die Höhe der Kartellstrafe zu beziffern (1/10 des Jahresumsatzes) und den entsprechenden Bescheid zu verschicken.

In der Projektgruppe „Öko-Kontrolle“ in der Landesbehörde für Verbraucherschutz war man sich schnell einig darüber, dass hier zunächst die Unterbehörde verständigt werden muss, die für die Kontrolle der Zertifizierungen für die Inverkehrbringung von Lebensmitteln aus biologischer Erzeugung eingeschaltet werden muss, bevor man selbst tätig werden kann. Konkret: Der WKD vor Ort wurde dazu ausgefordert, mal an der Kneipe vorbei zu gehen und zu gucken, ob das Zertifizierungs-Zertifikat ordnungsgemäß ausgehängt ist. Zugleich wurde die Rechnungsstelle befragt, ob die Überweisung für die Zertifizierung bereits eingegangen ist. Das dauert und solange muss der Vorgang warten. Mit dem Ergebnis, dass auf das Angebot an Lebensmitteln aus biologischem Anbau (z. B. vom schwäbisch-hallischen Schwein oder Gutedel aus biologisch angebauten Trauben) weder in der Speisekarte noch im Internet-Auftritt und auch nicht auf der Schiefertafel mit den täglichen Empfehlungen vermerkt werden darf.

Ungeklärt bleibt der Sachverhalt, ob die Bedienungen auf Nachfrage eines Gastes „ob es sich um Lebensmittel aus biologischem Anbau handelt“ wahrheitsgemäß antworten dürfen, verlegen auf den Kneipenboden gucken müssen oder ob sie den gesamten Sachverhalt in der oben dargestellten epischer Breite erzählen dürfen (müssen), ohne gegen Öko-Lebensmittels­rechtliche Vorschriften (siehe oben) oder sonstige Bestimmungen aus dem Arbeitsvertrag zu verstoßen (Preisgabe von Geschäftsgeheimnissen, Tätigkeit außerhalb der vertraglichen Leistungserbringungspflicht). Auf unsere Nachfrage bestätigt das zuständige Regierungspräsidium folgenden Formulierungsvorschlag für Service-Kräfte: „Ich bin nicht befugt, dazu Auskunft zu erteilen“. Wir empfehlen: Dabei unbedingt ernst bleiben und bitte keinen ironischen Gesichtsausdruck auflegen (am besten üben Sie das mit Ihren Service-Kräften ein!). Schließlich könnte es sich bei dem neugierigen Gast um einen getarnten Presse-Fuzzi handeln, der eine Reportage über Missbrauchsfälle mit dem Bio-Siegel macht oder um einen Agenten vom Wirtschaftskontrolldienst, der für jedes Bußgeld eine dicke Prämie erhält.

Last not least: Ohne Beleg gibt es keinen Abzug der Bewirtungskosten (§ 4 Abs. 5 Einkommensteuergesetz). Insofern ist der Fall klar.