Unterdessen ist der Wahlkampf 2017 eröffnet – mit Versprechen, Ankündigungen und mit guten Vorsätzen. Auf der Agenda stehen: Höhere Renten (allerdings ohne konkrete Finanzierungslösungen) und Steuersenkungen bei der Einkommensteuer (die nicht einmal die kalte Progression der letzten Jahre ausgleichen). Eine Mittelstandspolitik, die kleinere Firmen gegen die Übermacht der Konzerne (zuletzt: vereinfachte Verlustverrechnung für Konzerne) oder die zunehmende Konzentration ganzer Branchen (aktuell: EDEKA/REWE) schützen, ist nicht in Sicht – entgegen vieler offizieller Ansagen zum Stellenwert und zur Bedeutung des Mittelstandes in Deutschland.
Kategorie: Volkelt-Briefe
Gerade kleinere Unternehmen kämpfen täglich mit für außen stehende unvorstellbar vielen, komplizierten und teuren Vorschriften, deren praktischer Sinn sich oft nur schwer oder überhaupt nicht erschließt (Zertifizierungsverfahren, Meldepflichten, Dokumentation von Arbeitszeiten). Dazu kommen mehr und mehr Vor-Ort-Kontrollen von Zoll, Gewerbeaufsicht, Kontrollen der Landratsämter, Außenprüfung der Finanzbehörden, der Rentenversicherung, der Künstler-Sozialversicherung usw.. Vorgänge, die jedes Mal den betrieblichen Ablauf empfindlich stören und zusätzliche (Berater-) Kosten verursachen. In einigen Branchen ist die Belastungsgrenze mit unproduktiven Overhead-Kosten schon lange erreicht.
Abseits der großen Probleme um Zinsen und Staatsfinanzen machen viele kleinere Firmen auch in diesem Jahr wieder die Erfahrung, dass herkömmliche Finanzierungen von mittel- und langfristigen, umfangreicheren Projekten schwierig bleiben. Und dass, obwohl viele (private und öffentlich-rechtliche) Banken den Geschäftskunden unterdessen wieder entdeckt haben. Fakt ist, dass die Zinsen so günstig sind wie noch nie. Allerdings sind fundierte Prognosen zur Zinsentwicklung derzeit nicht möglich.
Aus Finanzierungsperspektive gibt es keinen Grund, mit Investitionen zu warten. Dabei gilt: Ersatzinvestitionen mit Rationalisierungspotenzial (Digitalisierung) vor Erweiterungsinvestitionen. Viele, auch kleinere Unternehmen setzen auf neue Finanzierungsformen. Ob private Investoren oder Anleihen für mittelständische Unternehmen: Dank Internet ist hier Vieles transparenter geworden. Der Wettbewerb von Anlegern um Investitionen in die Realwirtschaft ist für kleinere Unternehmen unterdessen zu einer echten Chance geworden. Stichwort: Crowdfunding. Diese Form der Mittelstandsförderung ist weiter auf dem Vormarsch.
Das Thema Mitarbeiter bleibt für kleinere Unternehmen auch in den nächsten Jahren Kernthema. Der Arbeitsmarkt für Qualifizierte ist leer gefegt und die demographische Entwicklung gibt vor, dass sich daran in den nächsten Jahren auch nichts ändern wird. Auch eine zunehmende Migration wird daran kurz- und mittelfristig nichts ändern.
Als Arbeitgeber müssen Sie den Wettbewerb um Arbeitskräfte annehmen, das Thema zur Chefsache machen und kreative Ideen entwickeln, um gute Mitarbeiter zu binden und neue zu finden. Mindestlohn, Elternzeit, Teilzeitarbeitsanspruch und Equal Pay wirken sich auf die Lohnkosten von kleineren Firmen überproportional aus. Dazu kommen die Regulierungen auf dem Arbeitsmarkt, z. B. bei den Werkverträgen und Leiharbeitnehmern. Die angesprochenen Vorgaben werden sich weiter auf die Arbeitskosten auswirken und insbesondere für kleinere und mittelgroße Betriebe für zusätzliche Probleme bei der Personalbeschaffung sorgen. Ihre Nachteile im Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter gegenüber Großunternehmen und Konzernen nehmen weiter zu.
Viele Unternehmer, Gesellschafter-Geschäftsführer oder Nur-Geschäftsführer engagieren sich nicht nur für die Firma und Ihre Mitarbeiter. Sie übernehmen Verantwortung in der Gesellschaft, in der Politik, im Ehrenamt oder – wegen permanentem Zeitmangel – als Spender oder Sponsor. Hatte zuletzt die Finanzkrise in 2007 viele nachdenklich gemacht, waren es 2016 wieder einige unerwartete neue Entwicklungen, die manchen Unternehmer sprachlos gemacht haben. Etwa der Rechtsruck in vielen Ländern, der Brexit und der angeschlagene Zustand Europas, die Entwicklungen in der Türkei, die Angst vor wirtschaftlicher Abschottung der USA oder die vielen, nach wie vor ungelösten internationalen Konflikte.
Globalisierung und Digitalisierung bringen immer mehr Dynamik. Alle Prozesse laufen schneller. Auch das Hamsterrad, das viele Geschäftsführer treten. Verstärkt hat sich für viele auch das Gefühl, dass sich Einiges verselbständigt hat und niemand mehr in der Lage ist, das aufzuhalten. Immer neue Vorschriften und Erlasse. Immer mehr Regulierungen engen die Gestaltungsmöglichkeiten ein und kosten viel Geld. Das Alles ist bekannt. Die Medien beklagen die Zustände. In politischen Diskussionen und Talkrunden werden die Zustände beschrieben. Aber an den eingeschlagenen Wegen ändert sich seit Jahren und Jahrzehnten grundsätzlich nichts und es ist (leider) auch keine politische Kraft in Sicht, die realistischerweise in der Lage wäre, Änderungen voranzutreiben und durchzusetzen. Aus Sicht eines Geschäftsführers bedeutet das:
- Geschäftsführer kleinerer Unternehmen verbringen immer mehr Zeit mit Tätigkeiten, die nichts oder nur wenig mit dem eigentlichen Geschäft zu tun haben.
- Staat und Behörden verwenden immer mehr Aufwand und Energien für die Überwachung und Kontrolle von Vorschriften und Auflagen.
- Die Diskrepanz zwischen den Zielen der politischen Entscheidungsträger und den Notwendigkeiten kleinerer Wirtschaftseinheiten an der Basis wird immer größer.
Egal unter welchen Rahmenbedingungen. Kommen ungeplante Ereignisse – Trennung, ein Pflegefall im unmittelbaren Umfeld, Tod, besondere Probleme eines Kindes – dazu, kann das schon einmal bis an die Belastungsgrenze gehen oder diese sogar überschreiten. Dagegen stehen die Herausforderungen und Chancen, die sich für Sie als Geschäftsführer immer wieder aufs Neue ergeben. Sie wissen genau, an welchen Stellschrauben Sie drehen müssen und können, um die Produkte zu verbessern, die Mitarbeiter einzubeziehen und mitzunehmen, den Service besser zu machen oder dem Kunden noch bessere Lösungen anbieten zu können. Gerade diese Ideen, diese kreativen Herausforderungen sind es, die „Geschäftsführung“ so abwechslungsreich und spannend machen. Daran wird sich auch im nächsten Jahr nichts ändern. Sie sind gefordert für 2017 – geschäftlich und privat.
Zumindest eines belegen die jüngsten Zahlen, die jetzt zu den Vermögensschaden-Haftpflicht-Versicherungen für Manager, AG-Vorstände und GmbH-Geschäftsführer (Directors & Officers) bekannt wurden: Seit dem Jahr 2000 hat sich in Deutschland die Zahl der Versicherungsfälle verdreifacht und zwar von ca. 40 Schadensfällen auf jährlich 120. Darunter die Fälle Deutsche Bank (Nr. 10/2014), VW (Nr. 12/2016), Thyssen-Krupp (Nr. 19/2014) – um nur die prominentesten zu nennen. …
Die Parteien bringen sich in Position für den Bundestagswahlkampf 2017. In Sachen Renten/Sozialversicherung drängt sich jetzt Andrea Nahles (SPD) in eine vermeintliche Pool-Position. Über die möglichen Auswirkungen auf die sozialversicherungsrechtliche Stellung des GmbH-Gesellschafter-Geschäftsführers haben wir bereits hingewiesen (vgl. Nr. 47/2016). Für Unternehmen wichtig sind die Pläne des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS), wonach es noch weiter reichende Rechte bei der Teilzeitbeschäftigung geben soll. …
Die BBE-Media hat die neuesten Zahlen zur Geschäftsführer-Vergütung 2016 vorgelegt. Wir haben die Zahlen für Dienstleister-GmbHs etwas genauer unter die Lupe genommen. Besonderheiten: …
Übernehmen die GmbH-Gesellschafter (Höchst-) Bürgschaften in unterschiedlicher Höhe für eine Verbindlichkeit der GmbH, richtet sich die Höhe des Innenausgleichs nach dem Verhältnis der übernommnen Bürgschaften (BGH-Urteil vom 27.9.2016, XI ZR 81/15). …
Nach § 21 GmbH-Gesetz ist der Geschäftsführer berechtigt, eine Nachfrist zur Einzahlung einer ausstehenden Einlage zu setzen und bei Nichterfüllung den Ausschluss aus der GmbH anzudrohen. Diese Erklärung muss schriftlich mittels Einschreiben erfolgen. Dazu der BGH: Das Einwurf-Einschreiben erfüllt diese Voraussetzungen (BGH, Urteil vom 27.9.2016, II ZR 299/15). …