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Volkelt-Briefe

Geschäftspartnerschaften/Kooperationen: Drahtseilakt zwischen Gesetz und Kartell

Lapidare Pressemitteilung des Bundeskartellamtes vom 13. Juli dieses Jahres: Gegen 3 Automobilzulieferer wird ein Bußgeld von 9,6 Mio. EUR verhängt. Begründung: …Unzulässige Preisabsprache der Hersteller für Wärmeabschirmbleche, die im Fahrzeugbau zur Wärmeisolierung von Abgasanlagen eingesetzt werden. Die Leverkusener Firma Carcoustics International GmbH hatte das Kartell angezeigt und ging straffrei aus – dank Kronzeugenregelung. Anscheinend sahen die Hersteller keine andere Möglichkeit, die Preiserhöhungen auf den Rohstoffmärkten weiterzugeben.

So weit die eine Seite der Medaille. Aber auf beiden Seiten wird mit harten Bandagen gearbeitet. Die Kollegen aus den Zulieferer-Firmen klagen seit Jahrzehnten darüber, wie die Großen der Branche die Preise beherrschen. Seit Ferdinand Piech ist das an der Tagesordnung und alle Beteiligten wissen Bescheid. Nicht zu beneiden sind die Kollegen, die seit Jahren diesen Drahtseilakt zwischen wirtschaftlichem Überleben, Absprachen mitmachen und sich zugleich dagegen wehren, Arbeitsplätze zu sichern und gesetzmäßigem Verhalten ausbalancieren müssen.

In der gesetzlichen Normenwelt sind solche ganz praktischen Zielkonflikte nicht vorgesehen. Als Geschäftsführer wissen Sie, wie existenzbedrohend Abhängigkeiten von wenigen Zulieferern und Kunden sind. Einziger Ausweg ist die ständige Suche nach Alternativen. Als Geschäftsführer sind Sie gut beraten, wenn Sie in dieser Zwickmühle bei jeder Entscheidung die Gesellschafter mit ins Boot nehmen.

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