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Kündigungsschutz: Fremd-Geschäftsführer und Praktikanten zählen

Nach EuGH-Rechtsprechung zählen Fremd-Geschäftsführer und Praktikanten bei der Mitarbeiterzahl mit. Beispiel: Hat die GmbH 18 fest angestellte Mitarbeiter, einen Fremd-Geschäftsführer und 2 Praktikanten, ergibt das 21 Mitarbeiter. Folge: Das Kündigungsschutzgesetz gilt. Dann muss das Unternehmen z. B. bei mehreren Kündigungen eine sog. Massenentlassungsanzeige. Unterlassen Sie das, sind die Kündigungen unwirksam (vgl. Nr. 32/2015). Für die Praxis ist wichtig: …

  • Fremd-Geschäftsführer werden in Zukunft bei der Berechnung der Arbeitnehmeranzahl im Sinne des Kündigungsschutz-Gesetzes mitgezählt (!) und
  • bezahlte Praktikanten werden ebenfalls mitgerechnet. Auch dann, wenn der Praktikant z. B. im Rahmen einer Umschulungsmaßnahme der BA tätig wird und nicht von Ihnen, sondern von der BA bezahlt wird.

Das Urteil des EuGH ist – da sind die Experten einig – auch auf das deutsche Arbeitsrecht anzuwenden. Gehen Sie davon aus, dass deutsche Arbeitsrichter ab sofort in diesem Sinne „zählen“ werden (EuGH, Urteil vom 9.7.2015, C-229/14).

Viele Gesellschafter-Geschäftsführer einer kleineren GmbH versuchen die 20-Arbeit­nehmer-Schwelle systematisch zu unterschreiten. Aus gutem Grund: In der Praxis sind Kündigungen erheblich erschwert, bisweilen führt z. B. die Sozialauswahl im Kündigungsverfahren zu den abstrusesten Ergebnissen. Kurzfristig beschäftigte (Schnupper-Praktika) und unbezahlte Praktika (solange nicht länger als 6 Monate) dürften in der Praxis allerdings weiter unbedenklich sein.

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