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Wählen bis es passt

schwarzes Schaf

Das Geheimnis einer gelungenen Abstimmung liegt nach Prof. Dr. Frank Frankenbein, Leiter des Instituts für Demagogie und Volksforschung an der freien Uni Wolfenbüttel, darin, dass „die vorgelegte Frage so formuliert ist, dass möglichst viele Menschen mitmachen, sie aber gleichzeitig so unpräzise abgefasst ist, dass der Wähler um die Folgen seiner Stimmabgabe so weit wie eben nur möglich im Dunkeln gelassen wird“. Dabei geht es zum einen darum, die notwendige Wahlbeteiligung zu erreichen und zum anderen darum, dass das Kreuz an der richtigen Stelle gemacht wird. Das beginnt z. B. damit, dass das Ankreuz-Kästchen für das gewünschte Wahlergebnis auf dem Wahlschein möglichst weit unten und weit rechts aufgedruckt wird, damit der Wähler beim Ankreuzen mit dem Stift „nicht erst über den ganzen Bogen drüber muss“ – so die aktuellen Erkenntnisse. Psychologie spielt also offensichtlich eine große Rolle. Ganz plastisch erleben wir das gerade in der Slowakei, wo es den Abgeordneten bislang noch nicht gelungen ist, die richtige Entscheidung zu treffen. Guter Rat ist teuer. Jetzt müssen die Wolfenbüttler Professoren auch hier aus der Patsche helfen. In ganz besonders schwierigen Fällen – so der Experten-Rat – sollte man das alternative Kästchen am besten gleich weglassen. Geht doch.

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Ökonomie-Nobelpreis

Buchprüfer

Wenn es nach uns gegangen wäre, hätten wir Peer Steinbrück nominiert. Der ist so dynamisch und tut zumindest so, als würde er etwas von der Sache verstehen. Als Merkel „die deutschen Spareinlagen sind sicher“ sagte, war er es, der uns körpersprachlich mit seiner kernigen Ausstrahlung überzeugte. Aber wir sind nicht das Nobel-Komitee und wir müssen keine Preise vergeben. Schon gar nicht an Wirtschafts­wissenschaftler. Diese preiselastischen Gleichgewichts-Nostalgiker, die den festen Glauben an den Eigennutz für Ratio halten (was Sokrates schon das ein oder andere Mal dazu bewogen hat, sich unruhig in seiner Tonne hin- und herzuwälzen). Gut, dass sich die neuen Preisträger schon seit Jahren auf die Rolle des stillen Beobachters zurückgezogen haben und sich nicht mit den Verwerfungen der realen Ökonomie auseinandersetzen mussten. Treffender als Nobel-Preisträger Christopher Sims hätten wir die Malaise auch nicht beschreiben können: „Wir sind auf Bücher versessene Leute, die sich Daten anschauen und versuchen, herauszufinden, was in der Welt passiert“ (O-Ton). Es handelt sich also um eine Art Buchprüfer. Wobei der erfahrene Geschäftsmann  ja weiß, dass zwischen den praktischen Vorgängen im Betrieb und den Zahlen in den Büchern bisweilen der Abgrund liegt.

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Rettung

Londoner Geld-Gurke

Na endlich hat es mal einer gesagt! Wie es weiter gehen soll. Und weil der Mann Banker ist, muss er es ja schließlich wissen. Natürlich wollen wir Ihnen nicht vorenthalten, was zu tun ist, um den weltweiten Finanz- und Schulden-Kollaps endlich in den Griff zu bekommen. Damit wir endlich wieder in der Bild-Zeitung solche hübsche Schlagzeilen lesen können wie „Gewinne sprudeln wie Ölfontänen“ oder „Endlich: Der erste deutsche Billionär“ und so weiter. Aber zurück zum Thema. DB-Chef Ackermann analysiert ebenso treffsicher wie kundig: „Die Branche ist gut beraten, die systemischen Implikationen von Produkten, Strategien und Marktstrukturen zu analysieren und zu berücksichtigen. Dies ist Aufgabe von bankinternen Genehmigungsprozessen. Außerdem sollten die Betreiber von Handelsplattformen Hochfrequenz- und Algohandelsstrategien (?) in Stressszenarien auf ihre Wirkung testen“ (Rede vom 4.9.2011).  Aha. Wir selbst haben sehr, sehr lange darüber gegrübelt, was Ackermann uns damit wohl sagen will. Bis wir irgendwann verstanden haben: In den oberen Etagen der Banken hat man keine Ahnung davon, was die Angestellten eigentlich mit dem ganzen Geld machen. Noch Fragen?

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Insiderhandel

Luftblase

Kennen Sie Dr. Axel C. Heitmann? NEIN! Das sollten Sie ändern. Axel Heitmann wurde am 2. Oktober 1959 in Hamburg geboren, ist ein deutscher Chemiker, Vorstands­vorsitzender der Lanxess AG, verheiratet, hat 2 Kinder und ist Ehrenbürger der chinesischen Stadt Wuxi. Jetzt hat er sich eine Immobilie gekauft – für schlappe 9 Mio. Euros – wahrscheinlich auf Hawai oder gleich irgendwo an der Goldküste. Finanziert hat er das mit Aktien. Die hat er so um die 11 Euros erworben und jetzt zu 39 Euros verkauft. Macht pro Aktie einen Gewinn von 28 Euros. Und da er damals gleich 209.779 Aktien bekommen hat, ist er jetzt ein gemachter Mann. Wie schön die Börse doch sein kann. Leider hat die ganze Sache einen Haken. Heitmann hat quasi seine eigene Firma verkauft. Also genau genommen die Lanxess AG, deren Vorstandsvorsitzender er ist. Wahrscheinlich kennt er die Zahlen so gut, dass es höchste Zeit war, die Aktien in handfestes Vermögen umzuwandeln. Dass er in Personalangelegenheiten als harter Hund gilt, wussten wir ja schon. Aber dass er gleich so viel Schmackes hat, hätten wir ihm gar nicht zugetraut. Wenn er nicht schon Persönlichkeit des Jahres wäre (2009), würden wir ihn jetzt glatt für diese Auszeichnung vorschlagen.

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Wunderheilung

The End ...

Nur so zum Spaß haben wir mal alle Vorschläge und Ideen gelistet, von denen sich die Experten eine Heilung der Finanzmisere versprechen. Fangen wir mal mit der Kompliziertesten an. Schön wäre, wenn alle Staaten der Reihe nach ihre Schulden zurückzahlen. So wie es der gemeine Häuslebauer und jeder seriöse Geschäftsmann tun muss. Können Sie vergessen. Ist utopisch. Dann gibt es da noch den Rettungsschirm. Auf dem Papier bleibt dann erst einmal Alles so wie es ist. Zumindest eine Zeit lang. Was danach kommt, ist uns ziemlich egal – eine Haltung, die ja bereits in früheren Epochen mit Erfolg praktiziert wurde – frei nach dem Motto aprés nous la deluche – was sich ja in etwa mit der langfristigen Wettervorhersage decken würde. Dieser Effekt ließe sich leicht verzögern, indem man den einen oder anderen Staat (Griechenland) bereits vorher in Frontstellung bringt respektive alleine in die Wüste schickt. Käme noch die Verstaatlichung des Bankensektors durch die UNO in Frage.  Da wollen wir aber erst gleich gar nicht drüber nachdenken. Nicht umsonst hat Jesus die Banker damals aus dem Tempel gejagt. Auch in der öffentlichen Verwaltung hat der Banker nichts verloren. Bleiben die Rating-Agenturen. Ein recht guter Vorschlag kommt dazu aus – woher sonst – Italien. So würde die Kreditwürdigkeit statt der bisherigen Bewertungsskala aus Tripple A+ usw. wie bei Kühlschränken und Autos mit einer Ampel gewertet, also in grün, orange und rot und sämtlichen Übergangsfarben, die Sie sich wünschen dürfen. Also z. B. rosarot. Zumindest für eine gewisse Übergangszeit wäre damit sichergestellt, dass die Schlaulis aus den Rating-Agenturen so intensiv mit sich selbst und den Übergangsvorschriften und Ausführungsbestimmungen beschäftigt wären, das sie bis auf Weiteres kein Unheil mehr anrichten könnten. Wir selbst bleiben eher skeptisch.

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Satire – wieso?

Diese Woche gab es ziemlich bedröppelte Gesichter in der BISS-Redaktionskonferenz. Schließlich hat unser Chef-Satiriker (in seiner unvergleichlichen Knappheit) das Wort ergriffen und ein paar klärende  (und damit tröstende) Worte aufgebracht: „Realität toppt derzeit Satire“. Aber: Gegen einen kleinen Obulus gelingt es uns Pressefritzen immer wieder, der Satire zumindest einen kleinen Informationsvorsprung zu verschaffen: So wissen wir aus einem Nebenflügel des Vatikan, dass Benedikt anlässlich seines Freiburg-Besuchs die gute Mama Kohl heilig sprechen wird (September 2011). Aus dem Wissenschaftsministerium haben wir in Erfahrung gebracht, dass für Doktoranten-Ghostwriter ein offizielles Genehmigungsverfahren eingeführt wird (2012). Der japanische Energie-Konzern Tepko plant im Nordosten Japans einen gigantischen Natur- und Freizeitpark mit zeitlich befristeter Aufenthaltsdauer für die Besucher (2013). Euro und Dollar werden reformiert und zusammengelegt in den DoRO (2014). Stuttgart 21 geht erst etwas verspätet in Betrieb (2029). Und so weiter (usw.). Wir wollen Ihnen an dieser Stelle aber keineswegs die Spannung nehmen. Eine gewisse Neugier war schon immer Treibfeder für die ein- oder andere Innovation.

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Kilimandscharo

Blick von der Terrasse ...

Haben Sie es auch gemerkt: Als die KanzlerIn jüngst auf dem legendären Flughafen von Mogadischu die Ehrengarde abschritt, trug sie am Revers ihrer dunkelgrünen Kostümjacke einen kleinen, sehr unscheinbaren Sticker. Wir haben mal genauer hingeschaut und die Pressebilder mit einem Vergrößerungsglas gecheckt. Sie werden es nicht glauben: Sie trug ein Sticker von ALDI und zwar von ALDI Nord. Unser Chefredakteur hat lange gegrübelt und sich am Hinterkopf gekratzt. Doch dann ist es ihm wie Schuppen von den Augen gefallen. Klaro: Schon seit Jahren tummeln sich hier in Ostafrika indische Großmogule und Nachfahren chinesischer Seidenstricker und kaufen wie bekloppt Grund und Boden, und zwar für einen Apfel und ein Ei wie man so schön sagt. Insider munkeln, Äthiopien sei schon zu 25 % fest in der Hand der neuen Herren. Aha – haben wir gedacht. Das hat sie – also die Kanzlerin – gemeint, als sie die 1 Mio. Spende überreicht hat und das an „Bedingungen“ geknüpft hat. Sie hat sich im schönen Kenia ein großes Grundstück gekauft. Quasi eine ALDI-finanzierte Immobilie für ihren Alterssitz – mit Blick auf den Kilimandscharo und die Serengeti vor der Haustür.  Na ja – Hauptsache, ein wenig ökonomischer Sachverstand kann wieder in die Politik Einzug halten.

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Steuerversprechen

Für die Bundestagswahl 2013 kommen Steuersenkungs-Ankündigungen ja nicht mehr in Frage. Das glaubt keiner mehr – selbst wir als absolute Steuer- und Publizitätsverweigerer gehen im Moment nicht davon aus, dass es besser wird. Konsequenterweise versucht man es jetzt also mit einem vorgezogenen (womöglich nachhaltigen) Steuerversprechen, dass dann bis 2013 im Gleichklang mit der Konjunktur auf ein kleines Etwas zusammenschrumpft – so in der Größenordnung von 10 € pro Kopf und Haushalt. Parallel dazu wird die Steuerverwaltung vereinfacht – der Steuerbürger muss seine Steuererklärungen dann nur noch alle 2 Jahre abgeben. Den damit verbundenen Zinsverlust versteht ohnehin nur noch ein verschwindend kleiner Teil der Steuerzahler. Und da es mit dem Zinseszinsrechnen beim Bundesbürger nicht besonders gut steht, muss die Kanzlerin auch nicht befürchten, dass irgendjemand nachrechnet. Das ist dann die hohe Kunst der Steuersenkung, ohne die Steuern zu senken. Streichen wir doch einfach Löhne und Gehälter ein wenig zusammen, dann sinkt automatisch auch die Steuer. Darüber müssen wir reden. Versprochen.

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Griechenland sucht …

Unterdessen haben Hausfrauen, Erzieherinnen und andere ökonomische Laien begriffen, dass Schulden eine böse Sache sind. Zumal dann, wenn man die Zinsen nicht mehr stemmen kann. RTL-Schuldenberater Peter Zwegat zieht es in solchen Fällen regelmäßig die Mundwinkel nach oben und die Stirn in Falten: „Böse Sache“.

Seit 2009 strahlt die RTL-Tochter Alpha TV in Griechenland das gleiche Format unter dem Titel Gia logarismo sas aus – was soviel heißt wie „Für Ihr Konto“. Der griechische Zwegat heißt Nikos Samolis und seine Sendung freut sich reger Nachfrage. Und zwar auf beiden Seiten. Mit jedem EU-Umschuldungsprogramm steigen die Einschaltquoten in Schwindel erregende Höhen. Umgekehrt campieren regelmäßig endlose und immer länger werdende Schlangen von überschuldeten Griechen vor den Athener Sendestudios, um beim Casting für die nächste Sendung in den Kreis der Auserwählten zu gelangen – auch Griechenlands amtierender Präsident Karolos Papoulias soll – mit Sonnenbrille und Stehkragen – in der Warteschlange gesichtet worden sein.

Wir wissen nicht, ob das stimmt. Sicher ist aber, dass der keine Probleme mit den Auswahlkriterien für die Kandidatur zur Teilnahme an der Sendung hat. Im Gegensatz zu den meisten seiner Landsleute. Problem: 31% aller griechischen Haushalte haben kein eigenes Konto – und ohne Konto gibt es konsequenterweise auch keine Überschuldung. Wäre vielleicht mal ein Tipp für die EU, wie man die griechische Überschuldung zumindest auf dem Papier regeln könnte.

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Umsteigen

Wie halten Sie es mit der Energie? Heizen Sie schon mit Windkraft? Oder gehören Sie zu der Fraktion, die am Wochenende Pampers und Klopapier mit Fahrrad und Hänger vom Supermarkt nach Hause transportiert? NEIN! Dann hinken Sie aber ganz schön hinter dem Zeitgeist her. Wenigstens die Innentemperatur im Büro sollten Sie um ein halbes Grad herunterdrehen – schließlich steht der Frühling vor der Tür, was die gefühlten Temperaturen Ihrer Mitarbeiter schon ganz von alleine ansteigen lässt.

Gerade richtig kommt da jetzt eine Neuentwicklung aus dem Schwarzwald – genau aus dem Gröchtertal, das ist eine Ecke, die bisher mehr für Milch und Kuckucksuhren als für den technologischen Fortschritt steht. Dort heizt man unterdessen den ganzen Hof mit Kuhmist. Und dieses Verfahren soll jetzt auch auf den mittelständischen Büroarbeitsplatz übertragen werden. Konkret: Via Tastatur überträgt der Mitarbeiter seine Wärme-Energie an den PC. Die wird dort direkt in Strom umgewandelt und betreibt die Chips  – so eine Art Kraft-Wärme-Kopplung. Im nächsten Schritt könnte man ja vielleicht auch direkt auf die Hirnströme zugreifen – was Brainstormings deutlich abkürzen würde. Damit könnten wir uns den teuren Ausbau und die Verschandelung der Landschaft mit Strommasten ein. Einzige Voraussetzung: Der Mitarbeiter muss gut frühstücken, damit er genug Wärme abgibt.