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EnBW-Aktien-Kauf: Solche Fehler dürfen Geschäftsführer nicht machen

Nicht nur in Baden-Württemberg staunen viele Geschäftsfüher über die im Untersuchungsausschuss offen gelegten Vorgänge um den Erwerb der EnBW-Aktien durch das Land Baden-Württemberg. Zuletzt wurde der E-Mail-Verkehr zwischen Ex-Minister­präsident Mappus und dem (Ex) Morgan Stanley Deutschland-Chef Not­heis auszugsweise in den Gazetten veröffentlicht – mit verheerender Wirkung in der Öffentlichkeit. Was ist hier falsch gelaufen? …

  1. Mappus und Notheis waren sicher, dass die ausgetauschten Informationen nie „öffentlich“ werden können. Das ist ein großer Irrtum: Der Inhalt jeder E-Mail kann intern (IT) und extern (Server) nachvollzogen werden.
  2. Im E-Mail-Verkehr werden geschäftliche Informationen in einem privaten Plauderton geführt. Unmöglich! Hier agieren die Repräsentanten eines Unternehmen und einer Landesregierung. Nicht anders ist es, wenn Sie für die GmbH Geschäfte anbahnen und Konditionen aushandeln. Gibt es mehrere Gesellschafter, müssen Sie geschäftlich und privat eindeutig auseinander zu halten und entsprechend zu kommunizieren.
  3. Per E-Mail wurden klein gedruckte Konditionen besprochen, die mit den einbezogenen Rechtsberatern nicht abgesprochen waren. Folge: Der Berater ist im Zweifel aus der Haftung. Als Repräsentant einer GmbH sollten Sie darauf achten, dass Geschäfte mit weit reichenden Auswirkungen (Verhalten in der Krise der GmbH, Kauf) wie üblich abgewickelt werden. Dazu gehört die Einschaltung des Steuerberaters im Krisenfall, die Verwendung von offiziellen Bewertungsverfahren für die Kaufpreisermittlung (siehe unten). Sind Sie sich über die Reichweite eines Geschäftes nicht völlig im Klaren, sollten Sie professionellen externen Rat einholen und die Zustimmung der Gesellschafter (Gesellschafterbeschluss) zu diesem Geschäft einholen.

Für die Praxis: Nutzen Sie diese Gelegenheit dazu, Ihren persönlichen E-Mail-Stil auf die „Goldwaage“ zu legen. Orientieren Sie sich dabei an diesen Vorgaben:

Vertraulicher Informationsaustausch, der auf keinen Fall von Dritten nachvollzogen werden kann, sollten Sie nach wie vor „unter vier Augen“ oder ausnahmsweise telefonisch führen.

Verwenden Sie grundsätzlich immer die offizielle Autosignatur der Firma (Aus Haftungsgründen müssen Sie immer deutlich machen, dass Sie für die GmbH handeln)

Halten Sie geschäftliche E-Mails immer sachlich und jederzeit in einem offiziellen Geschäfts­brief-Stil. Prüfen Sie Ihre E-Mails vor dem Absenden auf korrekte Rechtschreibung.

Lassen Sie sich bei wichtigen Inhalten den Eingang Ihrer E-Mail ausdrücklich nochmals bestätigen.

Sichern Sie den jederzeitigen Zugriff auf wichtige E-Mails (ausgewählte Ordner anlegen). Wichtige E-Mails mit vertraglichen Inhalten oder Absprachen sollten Sie zusätzlich ausdrucken und in der Akte des Geschäftspartners dokumentieren.

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