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BISS - DIE Wirtschafts-Satire

Schavan

Als wir Mit­te der Acht­zi­ger beim Umstei­gen in Köln-Hbf in der S‑Bahn nach­zah­len muss­ten, weil das ein­ge­lös­te Ticket nur für die Zone 1 reich­te, ahn­ten wir ja nicht, dass wir uns auf his­to­ri­schen Pfa­den bewe­gen wür­den. Dem Taxi­fah­rer war die anschlie­ßen­de Stre­cke vom Bahn­hof Ber­gisch-Glad­bach zu – nen­nen wir ihn – Dr. Frank G. nicht ganz unver­traut. Wie oft war er die­se Tour schon gefah­ren? Erwar­tungs­fro­he jun­ge Gesich­ter auf dem Weg nach ganz oben. Män­ner wie Frau­en. Juris­ten und Betriebs­wir­te. Im Unter­ge­schoss sei­nes anschau­li­chen Neu­baus hat­te G. ein rie­si­ges Büro ein­ge­rich­tet. „Alles Dis­ser­ta­tio­nen“, ver­kün­de­te er mit einem gewis­sen Stolz und wies mit der aus­ge­streck­ten Hand auf hun­der­te und tau­sen­de von Buch­rü­cken, die sich über die gesam­te Län­ge sei­nes statt­li­chen Büros über fast 25 Meter und sie­ben Reg­al­bö­den streck­te. „Wel­che wol­len Sie haben?“. Es war eine rhe­to­ri­sche Fra­ge, denn Dr. G. wuss­te ganz genau, dass wir nicht des­we­gen hier waren und dass es nicht ganz so ein­fach wer­den wür­de, die obli­ga­to­ri­schen 30.000 DM ein­zu­strei­chen. So wie von unse­rem dama­li­gen Kol­le­gen B., der sich aus dem Urlaub als Dr. B. im Betrieb zurück­mel­de­te und (jeden­falls für ein paar Jah­re) ein wenig Kar­rie­re mach­te, bevor er wie­der im Nir­va­na einer sach­be­ar­bei­ten­den Posi­ti­on ver­sank. Wir wis­sen nicht, ob Frau Scha­van auch zu Dr. Gs Kun­dIn­nen gehör­te. Nur soviel: Wäh­rend es die Spat­zen von den Dächern prus­te­ten und in der Wirt­schafts­pres­se die Adres­sen der Pro­mo­ti­ons­be­ra­ter wie Bra­vo-Star­schnit­te gehan­delt wur­den, trug der ordent­li­che Ordi­na­ri­us Flie­ge und freu­te sich dar­über, dass nun auch die Röcke der Stu­dent- und Assis­ten­tin­nen kür­zer wur­den. Mein Gott, wenn inter­es­siert es denn spä­ter schon mal, dass er die Klei­ne zwi­schen Bett­kan­te und Früh­stück zur Dis­ser­ta­ti­on erst über­re­den muss­te. Und das war erst der Anfang in einem damals noch kopier­funk­ti­ons­lo­sen Zeitalter.

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Aktuell

Gericht untersagt Werbung für Ghostwriter von wissenschaftliche Arbeiten

Laut Ober­lan­des­ge­richt (OLG) Düs­sel­dorf darf der als Ghost­wri­ter täti­ge Schrei­ber von wis­sen­schaft­li­chen Arbei­ten nicht damit wer­ben, das der „Markt­füh­rer“ sei. Das ist allei­ne schon des­we­gen unzu­läs­sig, weil er eine ver­bo­te­ne Dienst­leis­tung anbie­tet (OLG Düs­sel­dorf, Urteil vom 8.2.2011, I‑20 U 116/10).

Für die Pra­xis: Geklagt hat­te ein ande­rer Ghost­wri­ter – der die Markt­füh­rer­schaft des „Kol­le­gen“ so nicht hin­neh­men woll­te. Nach den neu­es­ten Umstän­den ein bemer­kens­wer­tes Urteil, das wohl Eini­ge auf­schre­cken wird, die ihrer Kar­rie­re mit einer Pro­mo­ti­on einen zusätz­li­chen Kick geben wol­len. Aus dem Urteil: Bei­de Ghost­wri­ter ver­lan­gen für eine sog. „Übungs­ar­beit“ zwi­schen 10.000 und 20.000 €.

Die­se Info ist öffent­lich – spe­zi­el­le Wirt­schafts-Infor­ma­tio­nen und Hand­lungs-Tipps für GmbH-Geschäfts­füh­rer gibt es nur für Mit­glie­der des Vol­kelt-Bera­tungs-Cen­ters. Mit­glied wer­den >  hier ankli­cken

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Nachruf

ver­schlos­se­nes Tor, offen

Vie­le BISS-Leser haben nach­ge­fragt, war­um wir zur Fuß­no­ten-Affai­re nichts zu sagen haben oder ob es uns die Spra­che ver­schla­gen hat. Jetzt, nach­dem Alles aus­ge­stan­den ist, dür­fen wir reden. Die Dis­ser­ta­ti­on selbst hat 15.000 Euros gekos­tet und wur­de von einem gewis­sen Adrain von Schma­len­bach geschrie­ben – einem glück­lo­sen und ver­arm­ten Ver­tre­ter sei­ner Zunft. Das erklärt auch, war­um es so lan­ge gedau­ert hat. Von Schma­len­bach muss­te zwi­schen­zeit­lich mehr­mals in die Reha. In der Sze­ne für sog. exter­ne Pro­mo­tio­nen gilt er als zuver­läs­si­ger Schrei­ber­ling, der auch ger­ne mal in genia­lis­ti­sche Pro­sa fällt und gele­gent­lich die Gren­ze zwi­schen wis­sen­schaft­li­cher Ana­ly­se und frei­mau­re­ri­scher Deu­tung als flie­ßend begreift. Insi­der ken­nen ihn pri­vat als tob­süch­tig und toll­pat­schig, aber schweig­sam wie ein rie­si­ges ver­schlos­se­nes Tor zu einem marok­ka­ni­sches Kas­bah, hin­ter dem Sodom und Gomor­rha wüten. Die Gut­ten­berg­sche Arbeit war sei­ne vor­läu­fig letz­te. Unter­des­sen lebt von Schma­len­bach auf einer klei­nen Farm in Para­gu­ay und züch­tet Peli­ka­ne, wäh­rend der Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter zu Hau­se die Sup­pe aus­löf­feln muss. Noch Fragen?

Lite­ra­tur: Fuß­no­ten­ge­sel­len, Aus dem Leben des Hoch­stap­lers Adri­an von Schma­len­bach > zum Roman

Auch Frau Koch-Mehrin ist unter­des­sen ohne Doktor-Titel …