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Volkelt-Briefe

Pflichtveröffentlichung: 38 Interessenten für Ihren veröffentlichten Jahresabschluss

Seit 2007 gibt es das elektronische Unternehmensregister, in dem die Jahresabschlüsse von Kapitalgesellschaften (AG/GmbH/UG) veröffentlicht werden müssen. Das Verfahren ist unterdessen eingespielt. Im Prinzip hat Jedermann Einblick in die dort veröffentlichen Daten – auch wenn die zeitliche Verzögerung eine ad hoc Beurteilung der veröffentlichten Unternehmensdaten nur bedingt zulässt. Dennoch: Das Interesse an den Unternehmenszahlen ist groß. Hier die offiziellen Zahlen dazu….Seit 2008 werden jährlich jeweils deutlich über 1 Million Jahresabschlüsse beim elektronischen Bundesanzeiger eingereicht. Die Gesamtzahl der im dort publizierten Jahresabschlüsse liegt bei etwa 4,8 Millionen. Die Offenlegungsquote liegt heute bei etwa 90 %.

Zum Vergleich: Vor Inkrafttreten der gesetzlichen Vorschriften dazu (EHUG) lag die (freiwillige) Offenlegungsquote bei 5 %. Monatlich verzeichnet der elektronische Bundesanzeiger über 3,2 Mio. Zugriffe. Davon entfallen ca. 81 % – zurzeit ca. 2,6 Mio. Zugriffe pro Monat – auf den Bereich der Jahresabschlüsse. Rechnet man das auf Tage um, bedeutet das, dass alleine im elektronischen Bundesanzeiger täglich – inkl. aller Sonn- und Feiertage – etwa 84.000 Jahresabschlüsse abgerufen werden. Hinzukommen pro Tag etwa 32.000 Jahresabschlüsse, die auf den Seiten des Unternehmensregisters abgerufen werden, so dass insgesamt täglich über 116.000 Jahresabschlüsse abgerufen werden. Geht man von etwa 1,1 Mio. veröffentlichungspflichtigen Unternehmen aus, würde dies, rein rechnerisch betrachtet, bedeuten, dass jedes Unternehmen ca. 38mal pro Jahr aufgerufen wird. Der weitaus größte Teil der Abrufe (über 80 %) betrifft dabei kleine Unternehmen.

So weit die offiziellen Zahlen. Allerdings muss man davon ausgehen, dass bei solchen großen Online-Portalen viel Traffic unterwegs ist, der Zugriffszahlen produziert, die nichts mit der tatsächlichen Nutzung zu tun haben. Dazu kommen regelmäßige Suchmaschinen-Visits, die die Seitenzahlen nach oben treiben, SPAM-Visits (ca. 5 %) und Suchmaschinen-Listings (Google), die zwar angezeigt werden, nicht aber wirkliche Zugriffe sind. U. E. kann man die Zahlen in etwa halbieren. Danach würde jeder veröffentlichte Jahresabschluss rund 15 bis 20 Mal im Jahr von Interessierten angeklickt. Dabei kann man davon ausgehen, dass darunter alle die Firmen sind, die Bonitätsdaten erheben, also Banken, Schufa, Creditreform usw., aber auch Behörden – wie Finanzbehörden und Gewerbeämter. Das relativiert die Zahlen. Daraus ein echtes öffentliches Interesse für die Pflichtveröffentlichung abzuleiten, ist m. E. nicht sehr plausibel. Haben Sie das elektronische Unternehmensregister schon einmal für Ihre Recherche – etwa zum Benchmarking oder zur Absicherung einer neuen Geschäftsbeziehung – genutzt? Durchaus hilfreich.

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