Kategorien
Volkelt-Briefe

Geschäftsführung: Soziale Kompetenz ist Übungssache

Als Geschäftsführer müssen Sie die Strategie vorgeben, Ziele setzen, Netzwerke knüpfen, Mitarbeiter anleiten und die Liquiditäts- und Ertragssituation des Unternehmens steuern. Im Tagesgeschäft – viele Kollegen kennen das – entscheidet aber allzu oft der richtige Umgang mit dem Mitarbeiter, wie effektiv und zielbezogen Vorgaben oder Arbeitsabläufe umgesetzt werden. Das Stichwort heißt soziale Kompetenz. Fakt ist, …

dass die Anforderung an die soziale Kompetenz von Führungskräften in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen ist und sich auch die Geschäftsführer von kleineren Firmen an den neuen Maßstäben orientieren müssen. Hier einige Grundregeln:

  1. Viele Fehler werden bei der übereilten Umsetzung von schnellen und kurzfristigen Erkenntnissen gemacht, die sich die Führungskraft auf einem Seminar erworben hat und sofort umsetzen will („probieren Sie das am besten gleich aus“). Ganz unabhängig von der Qualität der jeweiligen Weiterbildungsveranstaltung gilt: Übung – sich selbst neu ausprobieren – macht den Meister, wobei die Übung in aller Regel bereits als Ernstfall stattfindet. Prüfen Sie vorher, ob das Gelernte in der Situation tatsächlich passt.
  2. Wer nur auf wenigen gesellschaftlichen Feldern soziale Kompetenz sammelt, neigt dazu, Aufgaben, die im eigenen Unternehmen erledigt werden müssen, falsch zu gewichten oder über zu bewerten. Üben Sie neue soziale Rollen und neue Kommunikationsformen (Fragen, Zuhören) auch in anderen Lebenssituationen ein (Familie, Verbandstreffen, Netzwerke, Teilnahme am öffentlichen Leben).
  3. Weniger ist of mehr: Die Kunst der kommunikativen Führung liegt nicht darin, selbst möglichst viel zu tun oder zu gestalten, sondern andere dazu zu animieren, betriebliche und organisatorische Probleme zu artikulieren und eigene Lösungsvorschläge zu erarbeiten, durchzusetzen und in der Praxis zu kontrollieren.
  4. Seien Sie sich darüber bewusst, dass Mitarbeiter Stilfragen einen hohen Stellenwert einräumen. Eine falsche Entscheidung wird eher akzeptiert als eine polemische Floskel, die auf Kosten eines Mitarbeiters geht.
  5. In jedem Unternehmen bestehen viele parallele Informations-Netzwerke, in denen „Betriebspolitik“ diskutiert und bewertet wird. Gehen Sie davon aus, dass grundsätzlich alle Ihrer Aussagen auf die Goldwaage gelegt werden. Widersprüche werden gnadenlos aufgedeckt und polemische Äußerungen soweit interpretiert und verzerrt, bis sie schlussendlich mehr Schaden anrichten als nutzen.

Als Geschäftsführer stehen Sie an der Front und müssen alle – gelegentlich auch unangenehme – Inhalte gegenüber den Mitarbeitern vertreten, etwa Umstrukturierungen, die Verweigerung von Lohnerhöhungen, Abmahnungen. Für viele Geschäftsführer-Kollegen machen gerade diese Aufgaben den Stress-Faktor aus. Dennoch: Kollegen, die Ihre soziale Kompetenz gezielt geschult haben, sind immer wieder erstaunt darüber, wie positiv sich das auf die Effizienz und das gesamte Betriebsklima auswirkt.

Schreibe einen Kommentar