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Volkelt-Briefe

David gegen Goliath: Was tun gegen die Herrschaft des Kleingedruckten?

Damit ein Streit zwischen den Gesellschaftern der GmbH nicht zum Schaden des Unternehmens wird, ist in vielen Gesellschaftsverträgen das Schiedsgerichtsverfahren festgeschrieben. Ziele: 1.) der Konflikt zwischen den Gesellschaftern soll ohne langwierige Gerichtsverfahren zügig abgearbeitet werden und 2.) bei der Konfliktlösung soll das Wohl der Gesellschaft und nicht juristische Schlitzohrigkeit entscheiden. Dass so verfahren wird, hat gute Gründe. Wie zermürbend der Rechtsstreit zwischen den Gesellschaftern ausarten kann, lässt sich am Fall des Fleischproduzenten Tönnies verfolgen (vgl. zuletzt Nr. 32/2016). Nach fast drei Jahren ist jetzt die vorletzte juristische Runde erreicht. Der Fall wird wohl schlussendlich vor dem Bundes­gerichtshof entschieden. Ob er damit beigelegt ist, ist eine andere Frage. …Wie folgenschwer unklare Vertragsrhetorik sein kann, haben wir im Konflikt zwischen Hersteller VW und den Zulieferer-Betrieben sehen können. Der GAU: Der Image-Schaden für die Beteiligten ist riesig und die Auseinandersetzung um Rendite und Lösungen (Supply Chain Management) ist in die Hände der Juristen bzw. der Gerichte gelegt. Professionell sieht anders aus.

Ob Felgen, Stoßstangen, Fußmatten, Elektromotoren für die Fensterheber oder Armaturen-Konsolen: Die Kollegen der vielen mittelständischen Zulieferer-Betriebe verfolgen die juristische Auseinandersetzung mit VW mit allergrößtem Interesse. Die meisten von ihnen kennen die Nachteile, wenn man mit einem übergroßen Partner zu tun hat, der die Konditionen diktieren kann und diktiert. Das geht den Kollegen in vielen anderen Branchen auch nicht anders (Lebensmittel-Produzenten, Pharma). Fakt ist: Jeder ist auf jeden angewiesen und ohne Vertrauen gibt es auf Dauer keine guten Geschäfte. Problem: Ist das Vertrauen zu gut und die Zusammenarbeit eng fixiert, ist das ein gefundenes Fressen für die Kartellbehörden. Die säen mit der Kronzeugenregelung ohnehin schon Misstrauen unter den Beteiligten und schöpfen dann ab, was übrig bleibt. Es bleibt spannend.

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