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Volkelt-Briefe

Nachfolge (GF 50 +): Nutzen Sie die Sommerpause für die ersten Schritte

Die ruhigeren Sommertage sind für ältere Kollegen immer auch eine gute Möglichkeiten, sich den Themen zuzuwenden, die sonst liegen bleiben – weil zu komplex, mit Widerständen versehen oder weil man die nächste Lebensphase noch ein wenig nach hinten verschieben will. Nach Hochrechnungen des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) stehen jährlich 30.000 Nachfolge-Regelungen in mittelständischen und großen Unternehmen an. Gut die Hälfte (53%) der Eigentümer übergeben das Unternehmen an die eigenen Kinder bzw. an andere Familienmitglieder (sog. familieninterne Lösung). Rund ein Drittel der Übergaben erfolgen an externe Führungskräfte, andere Unternehmen oder andere Interessenten von außerhalb (sog. unternehmensexterne Lösungen). Jedes fünfte Familienunternehmen wird an einen oder mehrere Mitarbeiter übertragen (unternehmensintern). Damit sind auch schon die Felder aufgezeigt, in denen es nach einer Nachfolge-Lösung zu suchen gilt. …

  • Nach den ersten Überlegungen und Entscheidungen zum Verkauf der GmbH geht es in die Konkretisierung. In dieser Phase bis zur rechtsverbindlichen Abtretung der GmbH-Anteile muss ein geeigneter und zahlungsfähiger Käufer (Redewendung: „Nachfolger gesucht“) gefunden werden. Dazu gehört eine klare und realistische Vorstellung über den Kaufpreis, der erzielt werden soll. Häufiger Fehler in dieser Phase: Ein Verkauf „dauert“ – in der Regel sind es 2 bis 3 Jahre. Aus Ungeduld werden oft Zugeständnisse gemacht, die nicht sein müssen. Dem nicht entgegensteht, dass gelegentlich auch ein Blitz-Verkauf zustande kommt. Allerdings macht auch der ein oder andere Verkäufer die Erfahrung, dass es mehrere Anläufe braucht, bis der Verkauf tatsächlich unter Dach und Fach gebracht ist.
  • Regional tätige Unternehmen sind gut beraten, die Kooperations- und Nachfolgebörse der IHK (www.nexxt-change.org) zu nutzen. Die einzelnen Datenbanken sind unterdessen gut vernetzt und es hat sich bundesweit herumgesprochen, dass expansionswillige Unternehmen auf diese Art gut eingeführte Unternehmen zur Erweiterung eines Filialnetzes, zum Aufbau regionaler Präsenzen oder zum Einstieg in den Regionalmarkt erwerben. Achtung: Unter nexxtchange tummeln sich im Internet einige Anbieter, die nichts mit der offiziellen IHK-Börse zu tun haben und nicht wirklich zu empfehlen sind. Seriöse Begleitung und Beratung auf dem Weg zum Nachfolger bieten auch das Rationalisierungs- und Innovationszentrum der Deutschen Wirtschaft (www.rkw-d.de).

Gut überlegt sein muss dagegen die Kontaktaufnahme zur Konkurrenz. Um den als potenziellen Käufer aufzutun, sollte auf jeden Fall der Anwalt eingeschaltet werden. Zum einen, um die Ernsthaftigkeit der Kaufabsicht zu belegen, aber auch, um eine professionelle Verkaufsanbahnung zu gewährleisten. Keine guten Erfahrungen machen viele Unternehmensverkäufer bei der Suche nach potenziellen Nachfolgern mit den diversen Internet-Portalen. Abgesehen davon, dass die Verkaufsabsicht schnell und unkontrolliert öffentlich werden kann, tummeln sich hier auch schwarze Schafe, denen es mehr um den Umsatz bringenden Auftrag geht als das potenzielle Käufer zu ihren Kunden gehören.

Einige dieser Anbieter wurden unterdessen wegen irreführender Werbung („Jemand interessiert sich für Ihre GmbH“) oder Schlechtleistung verklagt oder sind wieder vom Markt verschwunden. Auch hier gilt: Ohne anwaltliche Beratung bleiben unkalkulierbare Risiken – eben so wie bei der gerichtsfesten Formulierung des Vorvertrages inkl. einer pragmatischen Verschwiegenheitsklausel mit einer durchsetzbaren Vertragsstrafe und der rechtsicheren Formulierung des Schadensersatzanspruchs bei missbräuchlicher Verwendung des beim Verkauf erlangten Firmenwissen.

Ein guter Tipp kommt von einem Kollegen aus der IT-Branche. Als der verkaufen wollte, schaltete er zunächst einen Branchen M&A-Spezialisten ein, unterschrieb den ihm dazu angebotenen (und ausgesprochen teueren) Beratervertrag aber nicht. Effekt: Seine GmbH stand damit ab sofort in der Liste des Beraters als potenzieller Übernahme-Kandidat. Ein halbes Jahr später meldete sich der M&A-Berater mit einem Kaufinteressenten, für den der Berater unterdessen tätig war. Vorteil für den Kollegen: Der Berater wurde so gesehen für ihn auch ohne Auftrag tätig, machte einen seriösen Käufer ausfindig und er musste dafür noch nicht einmal ein Honorar zahlen – das musste der potenzielle Käufer dann auch noch selbst tragen. Der Deal kam tatsächlich so zustande.

 

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