Kategorien
Volkelt-Briefe

Gestaltung: Geschäftsführer als Mini-Jobber

Um es vorweg zu nehmen: JA – aber ! Nicht alle Unternehmen beschäftigen einen Geschäfts­führer, der im Fulltime-Job für die GmbH tätig ist oder sein muss. So fallen z. B. in der Vermögen verwaltenden GmbH, in der GmbH & Co. KG oder in der Freiberufler-GmbH oft nur wenige Geschäftsführungs-Aufgaben an. Aus einem aktuellen Urteil des Finanzgerichts (FG) Baden-Württemberg ergibt sich hier eine interessante Gestaltungsmöglichkeit. Und zwar immer dann, wenn der Geschäftsführer nicht beherrschend an der GmbH beteiligt ist. Im Urteil heißt es nämlich: „Der Geschäftsführer mit beherrschender Beteiligung hat keinen Anspruch auf Lohnsteuer-Pauschalierung“ (§ 40a Abs. 2a EStG). …

Im Umkehrschluss hieße das: Der Nicht beherrschend beteiligte Gesellschafter-Geschäftsführer kann die pauschale Lohnsteuer beanspruchen (FG Baden-Württemberg, Urteil vom 21.7.2015, 11 K 3633/13). Begründung: Wird der Geschäftsführer im Rahmen einer geringfügigen Beschäftigung tätig (hier: 400 EUR, seit 2012 450 EUR), muss das Finanzamt die 20 % – Pauschalsteuer dafür akzeptieren. Laut Sozial-Rechtsprechung entspricht die Tätigkeit des Geschäftsführers immer dann der einer Beschäftigung als Arbeitnehmer, wenn er weisungsgebunden tätig ist. Das ist immer dann der Fall, wenn er nicht beherrschend ist (Beteiligung < 50 % und keine Sperrminorität vorliegt).

Das Finanzgericht hat Revision zugelassen. Es ist davon auszugehen, dass die Finanzbehörden das so nicht durchgehen lassen und eine Entscheidung des BFH zur Sache anstreben. Damit besteht jetzt die Chance, dass der BFH endgültige Rechtssicherheit in der Sache schafft. Im Falle eines geringfügig beschäftigten Gesellschafters hatte zuvor das Finanzgericht Rheinland-Pfalz ebenfalls entschieden, dass eine Pauschalierung für einen 100%-Alleingesellschafter mit geringfügiger Berater-Tätigkeit für die GmbH nicht möglich ist (FG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 27.2.2014, 6 K 1485/11). Dieses Urteil ist rechtskräftig. Wir halten Sie auf dem Laufenden. Bis dahin besteht bei einer solchen Gestaltung weiterhin ein latentes Prozessrisiko. 

Schreibe einen Kommentar