Kategorien
Volkelt-Briefe

Der Fall Karstadt: Was der Mittelstand lernen kann

2009 gab es für Karstadt das erste Insolvenzverfahren. Mit Berggruen glaubte der Insolvenzverwalter …

einen Finanzier gefunden zu haben, der die Geschicke des Traditionsunternehmens in neue Bahnen lenken würde. Vier Jahre später ist das Ergebnis Offenbarung: 250 Mio. EUR Verlust alleine im letzten Geschäftsjahr. Umsatz, Cash-Flow, EBIT und Eigenkapital sind weiter auf dem steilen Weg nach unten. Wenn Sie als Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens eine solche Bilanz vorlegen, können Sie sicher sein: Keine Bank der Welt würde Ihnen und Ihrer GmbH auch nur noch einen Cent leihen. Im Klartext: Das ist die sofortige Insolvenz. Für Karstadt sieht die Rechnung anscheinend anders aus. Geht die Entwicklung so weiter, ist das Eigenkapital zum Jahresende zwar verbraucht. Spätestens dann muss ein neuer Investor her. Und im Gegensatz zu kleineren und mittelständischen Unternehmen darf man getrost davon ausgehen, dass der gefunden wird.

Für die Praxis: Mit diesem doppelten Maß müssen Sie leben. Kleinere Unternehmen haben in der wirtschaftlichen Krise nur dann eine Chance auf Sanierung, wenn die Marktwerte stimmen. Sie müssen für den Sanierungsplan ein fundiertes Marktpotenzial, realistische Vertriebs- und Marketingkonzepte und nachprüfbare Finanzierungsbedingungen nennen. Zielgrößen, die nur auf dem Papier stehen, bringen Sie nicht weiter. Neben der finanziellen Sanierung müssen kleinere Unternehmen Portfolio und Organisation, Struktur und mögliche Kooperationen auf tatsächliche Überlebensfähigkeit abklopfen. Nur so können Sie Ihre GmbH und damit Ihre Stellung als Geschäftsführer mittel- und langfristig sichern. Also die Dinge anpacken, die im Falle Karstadt über Jahre liegen geblieben sind (Sortiment, Einkaufsverhalten, Marktdynamik).

Schreibe einen Kommentar