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Volkelt-Brief 51/2012

Themen heute: Jahresrückblick 2012 – Trends 2013 ….

 

 

 

Sehr geehrte Geschäftsführer-Kollegin, sehr geehrter Kollege,

für viele Geschäftsführer-Kollegen und Kolleginnen endet das Geschäftsjahr 2012 wie es begonnen hat: arbeitsintensiv, schnell und hektisch. Für einige Geschäfts­führer war es das beste Geschäftsjahr überhaupt. Viele Geschäftsführer profitierten privat von einer Gehaltserhöhung. Es gab aber auch Unternehmen, die sich komplett neu aufstellen und ihr Geschäftsmodell neu ausrichten mussten.

Das Geschäftsjahr 2013 wird ganz gehörige Herausforderungen für Sie als Geschäftsführer bringen. Die Geld- und Finanzmärkte bleiben hochgradig verunsichert. Die Auswirkungen der Schuldenkrisen sind nicht vorhersehbar. Die Umstrukturierung der Märkte wird sich beschleunigen und in vielen Branchen noch viel spürbarer werden. Dabei steht die nächste Herausforderung  – die konjunkturelle Abwärtsbewegung (Rezession) – bereits unmittelbar bevor. Wie können Sie sich, Ihre GmbH und Ihre Mitarbeiter auf diese Situation richtig einstellen?

TREND 1: Wie Sie Ihre GmbH auf die Rezession einstellen

Noch läuft die Konjunktur für viele Unternehmen gut. Die Auftragsbücher sind voll (Handwerk) und die Aufträge reichen in den vielen Branchen bis ins 1. Halbjahr 2013. Eine klare Abschwächung ist aber bereits im Fahrzeugbau und bei vielen kleineren und mittelständischen Zulieferern auszumachen. Wichtig ist, die Rezession anzunehmen, nicht zu verdrängen und energisch gegenzusteuern. Unterdessen sprechen alle Indikatoren eine klare Sprache. Selbst die bisher von den Konjunkturprognosen relativ wenig beeindruckte inländische Nachfrage zeigt Wirkung. Der Abschwung wird schneller kommen als viele denken.

Für Sie als Unternehmer bedeutet das:

  1. Rationalisierungs-Investitionen vor Erweiterungs-Investitionen: Beherzigen Sie ab sofort die alten Unternehmer-Regeln für Konjunkturschwankungen. Zum jetzigen Zeitpunkt sollten die Produktionskosten so weit wie möglich heruntergefahren und Folgeaufträge zur Kapazitätsdauslastung beschafft werden.
  2. Setzen Sie bei den Aufträgen den Schwerpunkt auf „Rendite vor Umsatz“. Prüfen Sie, an welchen Stellen Sie bei einem Rückgang der Aufträge Ihre Kapazitäten anpassen können.
  3. Kontakten Sie frühzeitig und kontinuierlich Ihre Bank. Beziehen Sie Ihren Firmenkundenberater  in Ihre Krisenplanungen ein. Sorgen Sie dafür, dass Sie permanent über Plan- und Branchenzahlen verfügen und Ihre BWA, Jahresbilanz, Vermögens- und Liquiditätsstatus aktuell sind.
  4. Machen Sie Ihr Unternehmen fit für Kurzarbeit – die entsprechenden Rahmenbedingungen sind bereits in der Schublade. Sobald die ersten Rezessionsauswirkungen spürbar werden (Ansteigen der Arbeitslosenquote auf 7,5 – 8 %) wird die Förderdauer von derzeit 6 Monaten auf 12 Monate verlängert.

TREND 2: Wie Sie Ihre Preise optimieren

2013 werden die Preise in vielen Märkten weiter stiegen. Die Statistik wies zuletzt eine Steigerungsrate von 2,6 % aus. Viele Geschäftsführer haben in 2012 in der Realität aber wesentlich höhere Preissteigerungen für Vorprodukte hinnehmen müssen als dies in den Statistiken zum Ausdruck kommt. Diese Dunkelziffer-Inflation wird auch 2013 zu Buche schlagen, weil viele Unternehmen Preissteigerungen erst mit neuen Vertragsabschlüssen weitergeben. Die Preise werden auch in 2013 kräftig steigen – aber nicht mehr so stark wie zuletzt.

Für Sie als Unternehmer bedeutet das:

  1. Für längerfristige Projekte müssen die Preissteigerungen in der Kalkulation berücksichtigt werden. Am besten vereinbaren Sie Verträge mit (Tages-) Preisklauseln. U. U. lohnt es, spekulativ mit Vorräten zu wirtschaften. Umgekehrt sind Verträge mit Zulieferern und Lieferanten unbedingt auf Preisklauseln zu prüfen, damit Sie wissen, auf was Sie sich einlassen.
  2. Unternehmen, die in fremden Geschäftsräumen tätig sind, sollten prüfen, ob sich die Anschaffung einer Immobilie (im Privat- oder Geschäftsvermögen) rechnet. Besonders im Fokus stehen weiterhin die Energiekosten. Diese werden weiter überproportional steigen. Dazu wird das Energie-Oligopol die Marktlage zu seinen Gunsten voll ausschöpfen. Stellen Sie eine Energiebilanz für Ihr Unternehmen auf und planen Sie kurz- und mittelfristige Energiesparmaßnahmen.
  3. Einzelabsprachen mit A-Kunden (B2B) sollten Sie nicht von vorneherein ausschließen. Informieren Sie sich genau über die Wünsche dieser Kunden. Welchen konkreten Bedarf haben sie? Wie haben sie in der Vergangenheit auf Preiserhöhungen reagiert? Prüfen Sie, wie Sie A-Kunden entgegenkommen können, ohne auf die Preiserhöhung zu verzichten. Beispiel: Gewähren Sie besonders sensiblen Kunden für die ersten Käufe nach der Preiserhöhung Rabatte.
  4. Kleinere Preiserhöhungen in kürzeren Abständen können Kunden besser verkraften und werden tendenziell leichter akzeptiert. Diese Strategie eignet sich bevorzugt im Consumer-Markt, da diese preissensibler reagieren und schneller zur Konkurrenz wechseln.

TREND 3: Kapitalmarkt bleibt unter Druck

Die EURO- und Schuldenkrise wird die Kapitalmärkte auch in 2013 nicht los lassen. So musste die Deutsche Bank zuletzt wieder ein Abschreibungsvolumen in Höhe von 12 Mrd. EURO eingestehen. Aber auch das ist nur die Spitze eines Eisberges. Das hat Auswirkungen auf die Finanzierungen in der Realwirtschaft. Die Banken sind darauf angewiesen, Umsatzausfälle und Ertragslücken aus den Finanzgeschäften über die Realwirtschaft zu finanzieren. So haben einige der großen Privatbanken bereits angekündigt, sich wieder verstärkt im Geschäftskundensegment zu engagieren. Fraglich bleibt, ob sich das auch in verbesserten Konditionen auswirken wird – angefangen von den strengen Rating-Vorgaben bis hin zu Zinsen, Sicherheiten und sonstigen Rückzahlungskonditionen und Anschlussfinanzierungen.

Für Sie als Unternehmer bedeutet das:

  1. Es bleibt schwierig, langfristige Vorhaben sauber zu kalkulieren und zu finanzieren. Kleine und mittlere Unternehmen, die ihre Produkte und Dienstleitungen mit großen Vorleistungen erbringen, sollten neben der herkömmlichen Banken-Finanzierung zusätzliche Finanzierungsquellen nutzen. Z. B. private Equity, Anleihen (etwa im Rahmen einer Mittelstandsanleihe), Croudfunding oder durch zusätzliches Eigenkapital, indem neue Geschäftspartner beteiligt werden.
  2. Finanzierungen werden noch teurer. Das betrifft alle Komponenten der Finanzierung – Gebühren, Nebenkosten, Zinsen und Kosten für (zusätzliche) Sicherheiten. Damit steigt auch für kleine und mittlere Unternehmen weiterhin der Druck, das interne Liquiditätsmanagement zu erhöhen und den Effizienzdruck auf alle Abteilungen und Projekte beizubehalten.

TREND 4: Binden Sie die besten Mitarbeiter an die Firma

In vielen Branchen konnten Aufträge nicht und nur mit Verzögerungen abgearbeitet werden, weil Personal fehlt (Facharbeiter, Akademiker). Absehbar ist, dass sich der Arbeitsmarkt Mitte 2013 etwas entspannen wird. Die Rezession wird sich nicht wie früher bis zu zwei und mehr Jahren hinziehen, sondern nach wenigen Monaten in eine Aufwärtsbewegung übergehen. Wichtig ist, die Stammbelegschaft zu halten. Nutzen Sie die bewährten Instrumente (Abbau von Leih- und Zeitarbeit und Arbeitszeitkonten, Reduzierung auf Teilzeit, Kurzarbeit). Prüfen Sie, ob Sie im Herbst 2013 in gleicher Anzahl wie bisher AZUBI-Stellen besetzen wollen. Unternehmen, die immer noch zusätzliches qualifiziertes Personal brauchen, müssen sich weiterhin etwas einfallen lassen. Der Wettbewerb um Arbeitnehmer entscheidet sich nicht nur am Gehalt. Eine vorbildliche Unternehmenskultur wird von den Arbeitnehmern honoriert. Beziehen Sie zufriedene Mitarbeiter in das Bewerbungsverfahren mit ein.

Für Sie als Unternehmer bedeutet das:

  1. Binden Sie gute Arbeitskräfte, die lediglich in Teilzeit, befristet oder als Leiharbeitnehmer bei Ihnen tätig sind, dauerhaft an Ihre Firma. Nutzen Sie dazu auch die Inflationsneigung, d. h. geben Sie im Arbeitsvertrag Zusagen zu jährlichen Lohnerhöhungen in Höhe der Inflationsrate, wenn der Mitarbeiter in Ihrer Firma auch eine persönliche Perspektive sehen will.
  2. Personal-Angelegenheiten sind und bleiben Chefsache. Seien Sie ein Chef zum Anfassen und zeigen Sie Ihren Mitarbeitern in jeder Situation, dass Sie in der Lage sind zu führen – also Ziele vorgeben und jederzeit den Gesamtzusammenhang herstellen.

TREND 5: Politik/Bürokratie – leider nur Ankündigungen

Auch 2012 haben die Unternehmen insgesamt rund 40 Mrd. EUR alleine für die Bürokratie gezahlt. Das sind Kosten für Meldungen, Statistiken, Genehmigungen usw. Daran wird sich 2013 nichts ändern. Die knappen Kassen der öffentlichen Haushalte diktieren hier. Das Koalitionsziel zur Absenkung der Transaktionskosten um 25 % bleibt für die Unternehmen Utopie. Die Kosten für Verwaltung werden weiter aus dem Ruder laufen.

Für Sie als Unternehmer bedeutet das:

  1. Die elektronische Bilanz (E-Bilanz) wird mit dem Jahresabschluss 2013 verbindlich für alle Unternehmen. Entsprechende Vorarbeiten müssen bereits in der laufenden Kontierung geleistet werden. Außerdem müssen die technischen Voraussetzungen für den Datentransfer eingerichtet werden.
  2. Zusätzlichen Aufwand verursacht im Außenhandel die sog. Gelangensbestätigung. Auch hier  ist bislang nicht absehbar, ob es zu den angekündigten Erleichterungen kommen wird.
  3. Die elektronische Lohnsteuerkarte ELSTAM kommt zum 1.1.2013. Zumindest während der Umstellungsphase bis 2014 wird der damit verbundene Aufwand für Meldungen nicht spürbar abnehmen.
  4. Ausnahme: Für kleinste Kapitalgesellschaften (gl. Nr. 50/2012) gibt es Vereinfachungen bei der Aufstellung und Offenlegung des Jahresabschlusses – und zwar bereits für den letzten Abschluss 2012. Mit größeren finanziellen Entlastungen sollten Sie aber nicht rechnen.

2013 wird darüber hinaus ganz im Zeichen der Bundestagswahl stehen. War die bisherige Legislaturperiode schon weitgehend eine Politik des Stillstandes (kein Jahressteuergesetz, kein Umwandlungssteuergesetz, kein Steuerabkommen mit der Schweiz, keine Finanzmarktregulierung um nur einige der spektakulärsten Vorhaben zu nennen), dementsprechend wird es ein Jahr der Ankündigungen ohne wirkliche politische Entscheidungen werden. Allerdings: Alternativen für die Wirtschaft sind weit und breit nicht auszumachen. Hier fehlt es allen Seiten  an Grund­­­sätzlichem, am Konzeptionellem und an der Expertise.

Geht es nach Peer Steinbrück und dem Steuer-Programm der SPD wird es nach einem Regierungswechsel in 2013/2014 für kleinere Unternehmen (GmbH, UG) zu einer Steuer-Mehrbelastung von 14 % kommen. Das errechnete jetzt das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) anhand des vorliegenden SPD-Steuer­programms. Für kleinere Kapitalgesellschaften (GmbH, UG) wird sich die geplante Anhebung der Abgeltungssteuer von 25 auf 30 % auswirken. Laut Modellrechnung steigt die Belastung für ein Unternehmen mit einer Bilanzsumme von 4 Mio. EUR von 177.000 EUR auf 203.000 EUR.

Neben der Belastung aus der Abgeltungssteuer ergeben sich Mehrsteuern aus den Plänen zur Wiedereinführung einer Vermögenssteuer (mindestens 1 %) und der Anhebung des Spitzensteuersatzes von 42 auf 49 %. Für größere Unternehmen errechnen die ZEW-Steuerexperten eine Zusatzbelastung um bis zu 19 % (Beispiel: Bilanzsumme 125 Mio. EUR, Steuerlast bisher: 5,5 Mio. EUR, Steuerlast neu: 6,6 Mio. EUR).

Für Sie als Unternehmer bedeutet das:

Die Anhebung des Spitzensteuersatzes wird alle Einkommen über 100.000 EUR im Jahr treffen. Beispiel: Bezieht der ledige Geschäftsführer ein Monatseinkommen von 15.000 EUR, steigt die monatliche Steuerbelastung um 554 EUR (Gesamtjahr: 6.648 EUR). In der SPD gibt es aber auch starke Positionen dafür, die Abgeltungssteuer sogar auf 32 % zu erhöhen oder – noch weiter gehend – Kapitalerträge nicht weiter pauschal sondern wieder nach dem persönlichen Einkommensteuer-Satz zu besteuern.

Hier muss jeder seine Entscheidung treffen. Das ist nicht einfach. Fakt ist aber, dass Unternehmer von der Politik im vor uns legenden Geschäftsjahr keine besondere Unterstützung erhalten werden.

TREND 6: Machen Sie sich fit für große Herausforderungen

Fast alle Geschäftsführer-Kolleginnen und –Kollegen erledigen einen Full-time-rund-um-die-Uhr-Job. Sie machen das gerne und ordnen ihre persönlichen Interessen ihrer Aufgabe unter. Bisweilen – so wie Nora Bossong in ihrem aktuellen Roman „Gesellschaft mit beschränkter Haftung“ so treffend beschreibt – wie im „Hamsterrad“ bis hin zu einer die Gesundheit beeinträch­tigenden Belastung. Schon an den oben gezeigten Themen ist abzusehen, dass die Herausforderungen nicht kleiner werden. Viele Geschäftsführer-Kolle­ginnen und Kollegen sind darüber hinaus in der Familie gefordert. Es gilt, alle diese Aufgaben systematisch, professionell und erfolgreich zu erledigen. Wir werden jedenfalls auch 2013 dafür sorgen, dass Sie über alle wirtschafts-relevanten Themen kompetent, knapp und präzise informiert sind, damit Sie für Ihr Unternehmen und für sich persönlich die richtigen Entscheidungen treffen.

Mit besten Wünschen für 2013 Ihr

Lothar Volkelt

Dipl. Volkswirt, Herausgeber + Chefredakteur Volkelt-Brief

BISS Die Wirtschafts-Satire > „CEOs“ > https://www.gmbh-gf.de/biss/ceos-vorstandsvorsitzende

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