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Volkelt-Briefe

GmbH-Verkauf: So schützt sich der Minderheits-Gesellschafter

Vor dem Verkauf der GmbH oder eines GmbH-Anteils steht die Ermittlung des Preises. Entweder nach dem im Gesellschaftsvertrag festgelegten Verfahren (z. B. vereinfachtes Ertragswertverfahren) oder nach einem Wirtschaftsprüfer-Gutachten oder im sog. Due-Diligence-Verfahren. Letzteres ist sehr aufwändig, komplex, umfasst nahezu alle unternehmensrelevanten und zukunftsbezogenen Größen und ist in der Regel nur für mittelgroße und größere GmbHs geeignet. In der Praxis durchleuchten externe Spezialisten (Wirtschaftsprüfer, Juristen, Steuerberater, aber auch: Versicherungsfachleute usw.) das gesamte Unternehmen. …

Risiko: Unternehmensinterna werden öffentlich und können z. B. vom kaufinteressierten Wettbewerber missbraucht werden. Dazu gibt es ein Grundsatz-Urteil des Land­gerichts Köln: Danach müssen die Gesellschafter der GmbH zunächst einen Beschluss darüber fassen, ob das Due-Diligence-Verfahren angewandt werden darf. Dieser Beschluss muss – zum Schutz von Minderheits-Gesellschaftern – einstimmig gefasst werden (LG Köln, Urteil vom 26.03.2008, 90 O 11/08).

Das gilt auch dann, wenn z. B. nur einer der GmbH-Gesellschafter seinen Geschäftsanteil verkaufen will – z. B. an einen Wettbewerber. Besteht der Kaufinteressent darauf, den Geschäftsanteil im Due-Diligence-Verfahren zu bewerten, so ist das nur möglich, wenn alle anderen Gesellschafter diesem Verfahren zustimmen. Das Urteil ist rechtskräftig. Auch wenn diese Rechtslage unter Gesellschaftsrechtlern nicht ganz unbestritten ist, muss dieses Vorgehen in der Praxis eingehalten werden. Anders die Rechtslage, wenn das Due-Diligence Verfahren ausdrücklich im Gesellschaftsvertrag der GmbH zugelassen ist – dann ist entweder überhaupt kein Beschluss notwendig oder es genügt die laut Gesellschaftsvertrag vorgesehene Mehrheit für einfache Beschlüsse.

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