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Volkelt-Briefe

Geschäftsführer-Gehalt: Tantieme-Anteil sinkt auf Tiefststand

Lange Zeit galt der Grundsatz, dass die Tantieme des Gesellschafter-Geschäfts­führers einer GmbH höchstens 25 % der Gesamtbezüge betragen darf und dass die Tantieme höchstens 50 % des steuerlichen GmbH-Gewinns betragen darf  (50 % – Regel). Unterdessen hat der Bundesfinanzhof seine Rechtsprechung zu Gunsten von Gesellschafter-Geschäftsführern geändert (z. B. BFH-Urteil vom 4.6.2003, I R 24/02 oder I R 80/01). Die sog. 25%-Regel wird vom Finanzamt nicht mehr angewendet. Vorteil: Der Gesellschafter-Geschäftsführer kann sein Gehalt flexibel an die Ertragslage der GmbH anpassen, ohne dass er seinen Anstellungsvertrag abändern muss (Gehaltserhöhung, Gehaltsreduzierung). …

Beispiel: Entwicklung des Tantieme-Anteils an der Gesamtvergütung:

Branche Höhe der Tantieme

 (2015)

Anteil der Tantieme an der Gesamtvergütung (2011) Anteil der Tantieme an der

Gesamtvergütung (2014)

Anteil der Tantieme an der

Gesamtvergütung (2015)

Dienstleister 21.000 € 26 % 19 % 18 %
Einzelhandel 25.000 € 25 % 24 % 24 %
Großhandel 27.000 € 32 % 21 % 21 %
Handwerk 19.000 € 23 % 20 % 18 %
Industrie  34.000 € 36 %  28 % 26 %

Ausgewertet nach Daten der BBE-Studien „GmbH-Geschäftsführer-Vergütungen 2012, 2014, 2015“

Auffällig: Gab es über Jahre (bis 2010/2011) hinweg einen deutlichen Trend hin zu einem höheren Tantieme-Anteil am Geschäftsführer-Gehalt und damit eine Entwicklung hin zur Erfolgsvergütung, so ist hier eine Trendwende erreicht. In den letzten Jahren ist der Tantieme-Anteil am Gesamtgehalt deutlich gesunken. Nur noch in der Industrie liegt der Tantieme-Anteil mit 26 % leicht über der 25 % – Grenze. Im Handwerk und in der Dienstleistungsbranche verdienen Geschäftsführer unterdessen nur noch zu knapp über einem Fünftel des Gehalts als Tantieme. Da die gezahlten Geschäftsführer-Gehälter in 2015 gegenüber 2014 konstant geblieben sind oder sogar leicht gestiegen sind (vgl. Nr. 46/2015 ff.), kann der Rückgang des Tantieme-Anteils nicht auf gesunkene Gewinne zurückzuführen sein. Vielmehr heißt das: Geschäftsführer legen wieder einen höheren Wert auf Sicherheit – sprich der Anteil der festen Bezüge steigt.

Wichtig ist, die 50%-Gewinn-Grenze einzuhalten. Sind z. B. 3 Geschäftsführer vorhanden, darf die an die 3 Geschäftsführer gezahlte Tantieme zusammen nicht mehr als 50% des steuerlichen Gewinns betragen. Dazu sollte die Tantieme-Vereinbarung im Anstellungsvertrag eine entsprechende Höchstgrenze enthalten. Formulierung: „Der Geschäftsführer erhält neben seinen Festbezügen eine Tantieme in Höhe von (maximal 50 %, bei mehreren Geschäftsführern mit Tantieme-Anspruch max. 50 % /Anzahl der Geschäftsführer) des Steuerbilanzgewinns nach Verrechnung mit Verlustvorträgen und vor Abzug der Körperschaft- und Gewerbesteuer“.

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