Kategorien
Volkelt-Briefe

Der Fall WCCB: Geschäftsführer haftet nur für Teil-Darlehen

Eigentlich wollte der ehemalige Geschäftsführer mit einem Privatkredit seiner angeschlagenen US Center Bonn GmbH aus einer finanziellen Schieflage helfen. Für den privaten Kredit (hier: 11,7 Mio. EUR) musste der Geschäfts­führer eine Bürgschaft seines Arbeitgebers einräumen. Als es anschließend dennoch zur Insolvenz der gesamten darin verwickelten Firmengruppe kam, forderte der Insolvenzverwalter den gesamten Darlehens-Betrag aus dem Privatvermögen des ehemaligen Geschäfts­führers.

Besonderheit:Das Oberlandesgericht Köln sah – anders als noch die Vorinstanz – eine Haftung des Geschäftsführers nur für die Kreditsumme, die er de facto nicht seiner an­geschlagenen GmbH zur Verfügung weitergereicht hatte. Tatsächlich sind 10,1 Mio. EUR der Kreditsumme der später insolventen GmbH zugeflossen. Der Geschäftsführer haftet also lediglich für 1,6 Mio. EUR, die er nicht auf ein Konto der GmbH überwiesen hatte (OLG Köln, Urteil vom 18.10.2016, 18 U 93/15).

Das bedeutet für den Geschäftsführer eine echte Ent-Haftung. Dennoch ist eine Nachahmung nicht zu empfehlen. U. E. ist davon auszugehen, dass eine Überbrückungsfinanzierung nicht in erster Linie dem Interesse der insolvenzbedrohten Gesellschaft dient, sondern zur Sicherung des Vermögens der Gesellschafter eingegangen wird. Als Geschäftsführer sind Sie im vergleichbaren Fall besser beraten, wenn Sie statt eines persönlichen Kredits „echte“ Sanierungsmaßnahmen (ESUG) umsetzen.

Schreibe einen Kommentar