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Postfaktischer Wahlkampf

Das ist nicht der Ostermarsch. Alle Teilnehmer haben gültige EU-Papiere. 14.239 Komparsen sind arbeitslose Jugendliche aus Apulien, dem Cilento oder Sizilien, die hier für einen Tag – respektive eine Nacht – zum vorgezogenem Mindestlohn von 8,84 € rumrandalieren dürfen. 3.451 afrikanische Tomatenerntehelfer und – helferinnen mit spanischen Pässen mussten den Jakobsweg zu Fuß hierher nehmen, um in schicke deutsche Polizeiuniformen zu schlüpfen und die liberale Staatsmacht zu mimen. 546 Handtaschendiebe und Diebinnen sind extra aus den ehemaligen Ostblockstaaten geladen, um den Platz vor der Frankfurter Oper für eine Nacht in die Domplatte zu verwandeln. Initiiert wird das folkloristisch anmutende Szenario von dem Kommunikations-Start-Up BetaComAlfaZoom, das schon vor dieser genialen Wahlkampf-Idee zu einem Marktwert von rund 3,5 Mrd. € an der hiesigen Börse gehandelt wurde. 284 Kamerateams aus 85 Staaten werden Bilder produzieren, die es „so noch nie gegeben hat“. Wenn Alles glatt verläuft, werden die farbigen und hauptsächlich weiblichen Polizei-Teams dem Spuk innerhalb von nur einer halben Stunde ein Ende machen, das sich sehen lassen kann inkl. Verurteilung und unmittelbarem, allerdings fiktivem Vollzug der Strafen vor Ort. Unten am Mainufer gibt es dann ein exklusives Büffet mit Champagner und Frankfurter Würstchen für alle. Morgen früh um 8 Uhr werden dann die Wahllokale geöffnet und die Live-Bilder müssten nach Allem, was man weiß, reichen, um das gewünschte Wahlergebnis zu erzielen. Da muss sich der KGB schon was Besonderes einfallen lassen, wenn er dagegen nicht abstinken will.

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